Joshua en Bolivia

Mein Jahr in Sucre

 
25August
2016

Abschlussbericht

Da ich in diesen beiden letzten Wochen, die ich jetzt noch hier bin, sehr viel Stress habe und noch unglaublich viele Dinge erledigen muss, bis ich Sucre am 3. September verlasse, nutze ich nun die Gelegenheit. Ich musste für das BKHW einen Abschlussbericht schreiben,den ich jetzt auch einfach euch zur Verfügung stelle:

 

Ich habe jetzt mein Jahr fast hinter mir und werde in diesem Bericht versuchen, es noch einmal Revue passieren zu lassen.

Aus Bolivien werde ich insgesamt überwiegend positive Erinnerungen mit nach Hause nehmen. Die Kultur gefällt mir, doch natürlich gibt es auch viele „typisch bolivianische“ Eigenarten, die ich nicht vermissen werde. Ich habe erlebt, wie vielfältig dieses Land ist, kulturell, landschaftlich, klimatisch, menschlich. Außerhalb von Deutschland habe ich noch nie eine so intensive, lehrreiche und lange Zeit im Ausland verbracht. Zwar weiß ich immer noch mehr über die Vereinigten Staaten als über Bolivien, doch intensiver habe ich vor allem die Unterschiede zu Deutschland eben hier in Bolivien erlebt. Ich habe aber auch gemerkt, dass ich nicht in Bolivien leben wollen würde. Fehlende Lebensqualität, aber eben auch kulturelle Eigenarten sind für ein Jahr sehr lehrreich, für immer würde ich es aber eher nicht ertragen.

In meiner Gastfamilie hatte ich insgesamt ein angenehmes Jahr. Ich habe keine so enge Beziehung zu ihnen gehabt wie andere Freiwillige, aber ich habe mich trotzdem wohlgefühlt. Zwar war mein Lebensstandard natürlich niedriger als in Deutschland, es gab beispielsweise viele Wasser- und Stromausfälle, viel Dreck, eintöniges Essen und höchstens eine lauwarme Dusche. Auch eine Heizung gab es natürlich nicht. Trotzdem habe ich mich an all das (außer das Essen) sehr gut gewöhnt. Auch die Hunde, die nachts bellen, der Lärm auf der Straße und die immer heulenden Autoalarmanlagen konnte ich nach ein paar Wochen schon gut ignorieren. Persönlich hatte ich mit niemandem in meiner Gastfamilie Probleme, außer einem Vorfall, der sich klären konnte, lief alles reibungslos. Super war die Nähe zu meinem Arbeitsplatz. Ich werde sicherlich auch meine Gastfamilie vermissen, aber nicht so sehr wie beispielsweise die Kinder aus dem Wiñay.

In meiner Freizeit habe ich viel Zeit in meinem Zimmer verbracht, mit Freunden und Familie in Deutschland recht viel Kontakt gehalten und auch Zeit alleine genossen. Ansonsten habe ich mich gut mit den anderen Freiwilligen des BKHW in Sucre verstanden, auch wenn sich manchmal natürlich Grüppchen bildeten. Mit bolivianischen Freunden aus dem Wiñay habe ich ca. einmal pro Woche etwas gemacht.

Gereist bin ich viel mit den anderen BKHW-Freiwilligen, wobei ich sehr viel herumgekommen bin und meine Urlaubstage und Feiertage komplett fürs Reisen genutzt habe.

Mit dem Wiñay habe ich, auch nach dem zu Urteilen, was die anderen Freiwilligen erzählen, eines der besten Projekte des BKHW getroffen. Obwohl mich in den ersten Monaten sehr meine Arbeitszeiten (oft an den Wochenenden) gestört hatten, habe ich spätestens nach vier Monaten gemerkt, wie tolle Sachen eben aber auch an diesen Wochenenden veranstaltet werden. Wie wahrscheinlich kein anderes BKHW-Projekt lebt das Wiñay von der aktiven, kreativen und verlässlichen Mitarbeit seiner bolivianischen, kanadischen und deutschen Freiwilligen. Nicht nur unterhalb der Woche, sondern vor allem auch in den Ferien, an Wochenenden und Feiertagen stellten wir unzählige Festivales, Ferias, Paseos, Campamentos, Exposiciones, Talleres, Rallyes und Turniere auf die Beine. Es vergingen nie zwei Wochen, in denen kein Highlight für die Kinder dabei war.

Auch die tägliche Arbeit, die bei mir zum größten Teil aus Hausaufgabenhilfe bestand, gefiel mir immer gut, da ich mich dabei auch wirklich gebraucht fühlte. Außerdem konnten wir mit der Zeit alle herausfinden, was uns wirklich Spaß macht und was wir wirklich gut können, sodass ich mich eben auf Hausaufgabenhilfe, Jelka auf Aktivitäten mit den Kindern ohne Hausaufgaben und Natalie sich auf Kunst und Backen spezialisierte. Trotzdem halfen wir natürlich auch bei den ganzen weiteren Aktivitäten mit, putzten, spielten, organisierten und übernahmen im Laufe des Jahres immer mehr Verantwortung.

Insgesamt bin ich zufrieden mit meiner Arbeit im Wiñay, auch wenn ich so gut wie keine eigenen, kreativen und von mir initiierten Projekte und Aktivitäten durchgeführt habe. Trotzdem habe ich zum Glück immer eine tolle Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen aller Altersgruppen gehabt und mich mit dem, was ich konnte, in verschiedensten Dingen einbringen können. Auch wenn ich sicherlich nicht unersetzlich war, habe ich, wenn ich mal im Urlaub war, dem Wiñay schon gefehlt. Ich bin glücklich, mein Freiwilligenjahr im Wiñay durchgeführt zu haben und bin sicher, dass ich nicht nur den Kontakt zu den anderen Wiñayfreiwilligen halten werde, sondern dieses tolle Projekt von Deutschland aus auch weiterhin unterstützen werde.

Ich selbst habe mich natürlich auch sehr verändert in diesem Jahr. Ich bin unabhängiger, selbstständiger und verantwortungsbewusster geworden. Ich habe einen Riesenhaufen an guten und ein kleineres Häufchen an schlechten Erfahrungen gemacht, die mich sicherlich beide geprägt haben. Meine Familie meint, ich sei geiziger geworden. Ich meine, dass mir einfach der Wert des Geldes und der Stellenwert von Luxus im Leben bewusster geworden sind. Nicht nur dadurch, dass hier Geld viel mehr wert ist als in Deutschland und ich hier zu den reichsten Personen gehörte, sondern auch dadurch, dass ich hier mein Geld nun komplett selbst verwalte und das behütete und finanziell sichere Zuhause aus Deutschland hinter mir gelassen habe. Ich habe außerdem auch im Laufe dieses Jahres meinen Studiumswunsch geändert, da ich bemerkt habe, wie viel mir an der Arbeit mit Menschen liegt und dass es sich gut anfühlt, Menschen helfen zu können, sodass ich jetzt anstatt für Chemie für Medizin eingeschrieben bin. Wie sehr ich mich verändert habe, werde ich aber vermutlich erst in Deutschland wirklich realisieren.

Wenn ich mich an den Verlauf des Jahres erinnere, hatte ich nie wirklich starkes Heimweh. Ich denke allerdings, dass für mich ein neunmonatiger Freiwilligendienst ausreichend gewesen wäre. Zwar habe ich nie an einen Abbruch gedacht, aber nach etwa neun Monaten war ein wenig die Luft raus, vor allem weil Februar bis Mai unglaublich voll mit Arbeit waren. Nachdem ich jedoch den kompletten Juli Urlaub genommen habe, um zu reisen, bin ich nun den letzten Monat wieder voller Energie und koste die letzten Wochen im Wiñay voll aus. Das letzte Wochenende haben wir noch ein Seminarwochenende zum Thema Umweltschutz mit einigen Freiwilligen und Jugendlichen aus dem Wiñay durchgeführt, was vor allem Jelka organisiert hatte und was ein Erfolg war.

Alles in allem bin ich froh, dieses Jahr hier in diesem Land, in dieser Stadt und vor allem in diesem Projekt verbracht zu haben. Ich freue mich allerdings nun auch sehr darauf, wieder zurück nach Hause zu kommen und all das wiederzusehen, was ich in diesem Jahr vermisst habe. Außerdem freue ich mich schon sehr auf meinen neuen Lebensabschnitt, wenn ich im Oktober anfange, Medizin zu studieren. Ob ich noch einmal wiederkomme nach Bolivien, weiß ich nicht. Ich kann leider den ganzen Leuten, die mich das hier fragen, nicht mit Ja antworten, weil ich einfach nicht sicher bin, ob ich in den nächsten Jahren die Zeit und das Geld haben werde, um zurückzukehren. Vor allem würde ich gerne die Kinder in etwa zwei Jahren wiedersehen. Ob ich mir das ermöglichen kann, wird sich zeigen. Ich werde auf jeden Fall dieses Land mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen.

 

 

 

Zusätzlich zu dem Bericht möchte ich euch, die ihr hier meinen Blog lest, sagen dass ich mich schon sehr freue, euch wiederzusehen. Auch wenn ich mit vielen von euch über dieses Jahr hinweg wenig Kontakt hatte und von einigen ein Jahr lang gar nichts gehört habe, freue ich mich trotzdem, euch alle dann bald wiederzusehen, wenn ich dann ab 6. September wieder zu Hause bin.

23August
2016

Uyuni-Video

Vincent, ein Mitfreiwilliger aus La Paz, hat damals, als wir Ende Oktober unseren Ausflug zum Salar de Uyuni machten, so gut wie alles gefilmt und fotografiert. Daraus ist ein viertelstündiger Film entstanden, den ich nun seit mehreren Monaten hier im Blog verlinken will und es immer wieder vergesse. Jetzt aber:

15August
2016

Noch drei Wochen

Jetzt sind alle meine Urlaubstage aufgebraucht, ich bin wieder zurück in Sucre und die letzten drei Wochen sind angebrochen. Dieses Jahr hatte seine Höhen, seine Tiefs und immer wieder auch Längen. Dennoch ist es jetzt unfassbar, dass ich in drei Wochen schon wieder alles wiedersehen werde, was ich ein Jahr lang vermisst habe. Gleichzeitig wird mir der Abschied natürlich auch sehr schwerfallen, da ich dieses Land und vor allem seine Leute ein Jahr lang ins Herz geschlossen habe. Vor allem der Abschied von den Kindern, die ich täglich im Wiñay sehe, wird hart.

Die nächsten drei Wochen, die mir jetzt noch hier bleiben, werden nun sehr stressig, denn mit dem Abschied ist so einiges verbunden, was ich noch machen muss. Deswegen ist jetzt der Urlaubsbericht eher kurz geraten und ich weiß auch nicht, ob ich noch einen Blogeintrag aus Bolivien schaffe.

Allerdings ist das ja wahrscheinlich auch nicht mehr sooooo wichtig, weil ich ja eh bald wieder Zuhause bin. Ich freue mich schon, Euch wiederzusehen!

14August
2016

Letzter Urlaub: Isla del Sol, Uyuni, Potosí und zurück

Nachdem mein Onkel wieder nach Deutschland zurückmusste, ging es für mich und Mama noch weiter durch Bolivien. Unser nächstes Ziel war der Titicacasee. Das war für mich vor allen Dingen noch ein Muss, weil ich es mit Papa im Januar nicht geschafft hatte, die Sonneninsel (Isla del Sol) zu besuchen.

Isla del Sol, mit dem Titicacasee im Hintergrund

Nach einer sehr anstrengenden Wanderung vom Süden in den Norden kamen wir an einem idyllischen kleinen Strandort an. Der Strand war voller Schweine, Esel und Kühe, was ich so auch noch nicht gesehen hatte. Trotzdem und auch trotz der 4000m Höhe war es wie am Meer, und wir wollten eigentlich nicht weg.

Der Strand in Challapampa, vorne ein paar Esel

Wir feierten dann noch meinen Geburtstag am Titicacasee, wo ich noch einen Punkt meiner Bolivien-To-Do-Liste abarbeitete: Einmal Meerschweinchen essen. War wirklich nicht lecker, aber lustig anzusehen. Das ist der offene Mund:

Meerschweinchenkopf und -rippen, frittiertDanach ging es für uns von La Paz aus weiter nach Uyuni, wo wir einen Tag lang den Salar besuchten (siehe Oktober und November). Toll war, dass wir abends zu einem Teil des Salzsees fuhren, auf dem Wasser stand und der dann wie ein riesiger Spiegel wirkt:

Joshi am Springen, die Landung war nass...  Sonnenuntergang über dem Salar  Mama und ich im Sonnenuntergang

Natürlich machten wir auch die typischen Salarbilder:

Iiiih, Kuss!  Das einzige mehr oder weniger synchrone Sprungfoto

Danach ging es über Potosí wieder zurück nach Sucre.

31Juli
2016

Letzter Urlaub: Sucre, Chapare, La Paz

Am 23. Juli kamen meine Mutter und mein Onkel morgens hier in Sucre an. Nachdem sie sich nach der langen Reise ausgeruht hatten, zeigte ich ihnen die nächsten Tage lang MEIN Sucre. Wir schauten uns das Zentrum an, liefen viel herum, gingen lecker essen und besuchten mein Viertel, das Wiñay und meine Gastfamilie.

Mama und ich in Sucre  Mein Onkel und ich in Sucre

Danach reisten wir weiter zu einem der wenigen Orte Boliviens, die noch auf meiner To-Do-Liste standen. Villa Tunari, ein kleines Städtchen etwa vier Stunden von Cochabamba am Fuße der Anden gelegen, war unser Reiseziel. Dort verbrachten wir ein paar schöne Tage, wanderten, genossen die tolle Landschaft und sahen viele Tiere (Tukane, Affen, eine Fledermaushöhle, Papageien, Schlangen...). Da Villa Tunari im Randgebiet des Amazonasbecken liegt, wirkte es auf mich, nachdem ich in Rurrenabaque gewesen war, wie der Amazonasregenwald "light". Das angenehm milde Klima war toll, sodass ich die Tage sehr genoss.

Er wollte auch nach einer halben Stunde nicht runter  Jane auf der Liane (oder so...)  Besuch in der Fledermaushöhle

Danach ging es weiter nach La Paz. Dort war gerade eine Parade, die Entrada Universitaria, bei der von morgens bis abends Tanzgruppen durch die Stadt zogen, es war also die Hölle los.

Entrada am Tag, Blick auf den Illimani  Entrada am Abend, Blick auf die Caporales-Gruppe

20Juli
2016

Vierte Urlaubsetappe: Regenwald und Sumpf im Amazonasbecken

Die letzten fünf Tage habe ich mein wahrscheinlich spannendstes bolivianisches Reiseabenteuer erlebt. Am Freitag ging es mit dem Flugzeug von 4100 runter auf 200m Höhe. Aus dem kalten, trockenen El Alto flogen wir spektakulär über die Andenhänge hinab in die Amazonasebene. Aus meinem Fenster in der kleinen Propellermaschine der bolivianischen Militärairlines TAM hatte ich einen unbeschreiblichen Ausblick über die endlosen Baumwipfel des tropischen Urwalds, bis wir inmitten dieser Bäume auf einer Schotterpiste in Rurrenabaque landeten.

Der Flughafen in Rurrenabaque ist an sich schon ein kleines Abenteuer, hier mal ein paar Bilder (das ist alles echt):

1. Flughafenfeuerwehr, im Hintergrund Abflug- und Ankunfthalle, Check-In, Sicherheit und Ticketbüro. Im ersten Stock der Tower, durch das Tor rechts geht das Gepäck.

2. Der Gepäckwagen draußen, von dem man sich seine Koffer einfach runternimmt.

3. Der Check-In auf dem Rückflug. Dieser Zettel ist ALLES! Der wird der Stewardess dann gegeben.

Flughafenfeuerwehr, im Hintergrund das Terminal Gepäck vom Wagen runternehmen Check-In

Dort angekommen machten wir uns nach einem kleinen und sehr feinen Frühstück in einer französischen Bäckerei auf in Richtung Dschungel. Mit zwei Guides und einer Köchin ging es mit dem Boot etwa drei Stunden lang durch großartige Landschaft tief in den Madidi-Nationalpark hinein.

Fahrt durch den Madidi-Nationalpark

Auf dem Weg gingen wir in einer kleinen Siedlung von Indigenen an Land. Es war zwar kein Mensch da, aber wir machten trotzdem Gebrauch von ihrer großen Holzpresse und machten frischen Zuckerrohrsaft, den wir dann mit ein bisschen Limette tranken. Ich fand es wohl ein bisschen zu lecker, danach im Boot war mir erstmal schön schlecht.

Zuckerrohr auspressen  Zuckerrohrsaft mit Limette

Als wir schlussendlich in unserem ersten Camp ankamen, hatten wir die Zivilisation weit hinter uns gelassen. Wir gingen im Fluss schwimmen und versuchten abends Fische zu fangen. Das klappte leider nicht so ganz, obwohl sie offensichtlich unseren Köder sehr lecker fanden. Der Haken am Köder schien sie jedoch nicht zu beeindrucken, sodass wir ohne Fang wieder zurück kamen.

Am nächsten Tag ging es dann mit all unseren Sachen drei Stunden lang durch den Wald ins nächste Camp. Leider war ich in der Nacht davor krank geworden, sodass die Wanderung für mich eine ziemliche Tortur war. Trotzdem genoss ich es auch, denn es fing irgendwann an zu regnen. Der Regenwaldregen war für mich etwas ganz besonderes, weil die ständigen Tiergeräusche aufhörten und der Regen zehn Minuten lang auf die Baumkronen prasselte, bis unten die ersten Tropfen ankamen. Nachdem es wieder aufgehört hatte, regnete es auf dem Boden auch noch eine halbe Stunde lang weiter. Außerdem war es toll, mal wieder Regen auf der Haut zu spüren, denn in Sucre hat es das letzte Mal vor fünf Monaten geregnet.

Auch wenn es an keinem Ort der Welt eine größere Vielfalt geschützter Tierarten gibt als im Madidi, bekamen wir wegen des dichten Urwaldes nur wenige davon zu Gesicht. Dafür konnten wir umso mehr hören. Vor allem aber gab es unzählige tolle Pflanzenarten und Bäume zu bestaunen. Zum Beispiel dieses Exemplar und sein Verwandter, die von oben Wurzeln zum Boden herabschicken, um sich wie mit Beinen fortzubewegen. So können sie im Laufe ihres Lebens bis zu 20m zurücklegen:

Dieser Baum kann bis zu 20m weit gehen Frische Wurzeln, die aus dem Baum heraus nach unten wachsen

Als wir dann endlich in unserem zweiten Camp ankamen, hatten wir etwa eine Stunde Zeit, um unsere Mosquitonetze aufzuhängen und uns auf die Nacht vorzubereiten, bevor es wieder heftig anfing zu regnen. Da wir mehr oder weniger auf dem Boden schliefen, war am nächsten Tag alles verschlammt.

Unsere Schlafstätte Unsere Kochstelle

Am dritten Tag ging es dann wieder zurück ins erste Camp. Auf dem Weg hörten und rochen wir eine große Horde Wildschweine, sie rannten jedoch weg. Einer der Guides fing ein paar Piranhas, und wir freuten uns sehr, als wir ein Krokodil im Wasser sahen. Wir ahnten nicht, was die nächsten zwei Tage noch auf uns zukommen sollte.

Piranhamaul

Nach unserem Dschungelabenteuer ging es nämlich direkt weiter in das Sumpfgebiet der Pampas.

Uns wurde schon vorher gesagt, dass wir dort mehr Tiere zu sehen bekommen würden, doch mit dem, was wir dort sahen, hatten wir nicht gerechnet.

Schon bei der ersten Gruppe Schildkröten rasteten wir völlig aus.

Schildkrötengrüppchen beim Sonnenbad

Nach etwa fünf Minuten Bootsfahrt hatte ich dann schon so viele Krokodile gesehen (eigentlich Kaimane, eine Krokodilunterart) wie in allen Zoos meines Lebens zusammen. Ohne zu übertreiben, es lag alle zwanzig Meter ein Kaiman am Ufer in der Sonne. Da der Fluss, auf dem wir fuhren, als Lebensader durch das große Sumpfgebiet führt, tummelten sich hier Kaimane, Vögel, Capybaras (Wasserschweine), Affen und Fische.

Kaiman Nr. 127  Kaiman Nr. 202 Namenloser Sumpfvogel Capybara (Wasserschwein); eine Art Riesenhamster Der gescheiterte Versuch eines Fotos mit Affen

Die Könige des Flusses waren jedoch die Flussdelfine, die keine Fressfeinde haben und den kompletten Fluss bevölkern. Die rosa-grauen, blinden Tiere finden sich im braunen Wasser durch ihr Gehör zurecht und machen hohe Wellen und tolle Prustgeräusche, die vor allem nachts faszinierend klangen. Aufs Foto bekamen wir sie zwar nicht so richtig, aber wir konnten mit ihnen (im gleichen Wasser wie die Kaimane und Piranhas) schwimmen gehen. Beweis:

Schwimmen mit Delfinen, Piranhas und Kaimanen

Auf den Fotos sah man immer nur Wellen, so wie in diesem. Die beiden kleinen Flecken links am Ufer sind Kaimane, die beiden großen Wellen in der Mitte sind Delfine.

Sonnenaufgang über Definen und Kaimanen

Am letzten Tag gingen wir morgens mit Gummistiefeln auf die Suche nach Boas. Leider gingen wir das ganze nicht sonderlich geordnet an, sodass uns die Würgeschlange durch den Sumpf entwischen konnte.

Sumpf, auf der Suche nach der Königsboa

Auf dem Rückweg in die Zivilisation fuhren wir durch riesige Rinderherden, die die Straße entlanggetrieben wurden.

Rinder im Tiefland

Das Steak in Rurrenabaque schmeckte dann nach diesen fünf großartigen Tagen Abenteuer umso besser.

13Juli
2016

Dritte Urlaubsetappe: Todesstraße

Gemütliche Pause an der Klippe

Heute habe ich mir einen Traum erfüllt, der meiner Mutter schon länger schlaflose Nächte bereitet. Von La Paz führt eine Straße die Anden hinunter, die sogenannte Todesstraße. Sie galt früher als gefährlichste Straße der Welt, ist aber heute nicht mehr so schlimm, weil der Hauptverkehr über eine neu gebaute Straße umgeleitet wird. Jetzt fahren nur noch vereinzelt Autos und LKWs auf der engen Schotterpiste am Abhang, sodass der Weg mehr oder weniger frei ist, um von 4700m auf 1100m mit dem Mountainbike hinabzufahren.

Joshua in Action

Auf der Todesstraße herrscht Linksverkehr, damit der Fahrer bergab am Hang sitzen kann. Das ist auch nötig, denn man fährt an mehreren Gedenkkreuzen vorbei und sieht unten im Tal ausgebrannte Buswracks liegen.

Dort war ein Bus mit mehr als 60 Insassen zu Tode gestürzt

Wir fuhren also vormittags am höchsten Punkt los und brauchten etwa vier Stunden, um 3600 Höhenmeter und drei Klimazonen zu überwinden. Nicht nur dass der Ausblick berauschend war, sondern auch die Fahrt selbst (natürlich mit guter Schutzkleidung ausgerüstet), hat einen Riesenspaß gemacht. Es fiel auch keiner vom Fahrrad oder gar von der Klippe, sodass wir dann unten am Pool nach der Fahrt ordentlich entspannen konnten.

Todesstraße

11Juli
2016

Zweite Urlaubsetappe: Nationalpark Torotoro

Der Torotoro-Nationalpark ist der kleinste, aber gleichzeitig einer der schönsten bolivianischen Nationalparks. Von Cochabamba aus fährt man etwa fünf Stunden über Kopfsteinpflaster in die Berge hinein, und landet in einem kleinen, verschlafenen Dörfchen, das mitten im Nationalpark gelegen ist. Dort wollten wir dann noch Laura, die Freiwillige aus Tarija treffen, was sich jedoch ohne Handyempfang schwierig gestaltete.

Nachdem wir die Nacht in einem billigen Hostal verbracht hatten, machten wir uns auf in den Canyon, wo wir den Nachmittag verbrachten.

 Canyonselfie BVB-Fan auf natürlicher Steinbrücke

Am nächsten Tag wanderten wir wieder viel, schauten uns Dinosaurierspuren an, die überhaupt nicht abgesperrt und echt beeindruckend waren, eine Felsenstadt und genossen die Aussicht.

  Gruppenbild aufm Felsen Gruppenbild in Felsenstadt

Am Nachmittag wurde es dann abenteuerlich, weil wir uns durch eine Höhle quälten, inklusive klettern, kriechen, rutschen, abseilen. Dort drinnen lebten außer den Touristen, die sich mit Guide hineinwagen, nur noch kleine blinde Fische (Blindfische) und es war, wenn wir unsere Helmlampen ausschalteten, stockdunkel.

Laura beim Abseilen Kriechen durch seeeehr enge Felsspalten

Am letzten Tag schummelten wir uns noch einmal zum Canyon, da wir nicht nocheinmal einen Guide zahlen wollten. Das war zwar verboten, und wir wären auch ein paar Mal fast aufgeflogen und konnten nur mit viel Glück und Ausreden durchkommen (Guide ist pinkeln, Guide ist weiter hinten mit einer die Schwindel hat, mit einer die sich den Fuß verstaucht hat, wir gehen gerade ins Hostal...).

Das Tal von Torotoro

05Juli
2016

Erste Urlaubsetappe: Die Weinstadt Tarija

Am Freitag bin ich abends nach Tarija gefahren, eine Stadt im Süden Boliviens fast an der Grenze zu Argentinien. Dort habe ich eine Freundin besucht und mir am Samstag die Stadt und das Italienspiel angeschaut. Dadurch, dass Tarija tiefer liegt als Sucre, hat es ein ganz tolles Klima und an den Straßen stehen Orangenbäume.

Orangenbaum in Tarija

Am Sonntag bin ich dann ins Weintal gefahren, in dem Wein für ganz Bolivien angebaut wird. Weil das Tal auf mehr als 1700m Höhe liegt, bekommen die Trauben extrem viel Sonne und heftige Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht ab, was ein ganz eigenes Aroma hervorbringt. Die Bolivianer selbst bevorzugen vor allem süße Dessertweine, bei denen der Alkohol ganz besonders schnell ins Blut geht.

Seit heute morgen bin ich nun wieder zurück in Sucre, morgen Abend fahre ich dann weiter nach Cochabamba. Ich werde dann wieder berichten, wenn ich in ein paar Wochen zurück bin.

PS.: Habe mir eine Panflöte anfertigen lassen, mit der ich jetzt fleißig üben werde!

Mein Schatz, eine chromatische Panflöte  Schlucht im Weintal

28Juni
2016

Selbst die Schafe feiern Geburtstag!

Der Bolivianer an sich feiert viel und gerne. Es wird kein Anlass, kein Feiertag ausgelassen, um sich zu treffen und ein bisschen oder auch ein bisschen mehr zu trinken. Dabei gehört normalerweise zu jedem Fest ein bestimmtes Getränk. An Allerheiligen wird zum Beispiel Chicha (Maisbier) zubereitet, im Winter gibt es Canelas mit Singani (heißer Zimttee mit Schnaps) und an Karneval wird die Leche de Tigre rausgeholt. Dieses Gesöff wird aus Milch, Kokos, rohem Ei und Schnaps zubereitet und löst bei mir spontanen Würgereiz aus, andere Leute mögen es aber wohl.

Zur Abwechslung war es diesen Monat ganz schön, ein paar Feste zu haben, bei denen nicht der Alkohol im Mittelpunkt stand.

Am 21. Juni wurde das Neue Jahr der Aymara gefeiert, eine indigene bolivianische Volksgruppe. Bei diesem Fest wird der Mutter Erde ("Pachamama") gedacht. Anschließend wurde am Donnerstag San Juan gefeiert. Auf dem Land wird an diesem Tag der Geburtstag der Schafe gefeiert. Abends wird ein großes Feuer gemacht und am nächsten Morgen werden die Schafe bemalt und mit Schnaps, Cocablättern und Luftschlangen "verziert", bevor sie auf die Weide geschickt werden. Da hier in der Stadt nur wenige Schafe leben, wird auf den letzten Teil des Festes verzichtet und es werden einfach in der ganzen Stadt Feuer entzündet. Das ist zwar seit vier Jahren wegen der krassen Luftverschmutzung verboten, kümmert aber niemanden, sodass auch wir auf dem Dach des Wiñay mit den Jugendlichen ein schönes Feuerchen entzündeten.

Da es seit mehr als drei Monaten nicht mehr geregnet hat (sie stellen uns nun jeden Sonntag das Wasser ab), ist die Stadt staubtrocken, sodass wir die ganze Nacht lang von der Terasse aus Großbrände in der ganzen Stadt beobachten konnten.

Den ganzen nächsten Tag lang lag die Stadt unter einer Rauchwolke, die sich zum Abend hin dann endlich auflöste.

San Juan - Rauch über dem Zentrum Sucres

Heute wurde dann San Pedro gefeiert, was im Prinzip das gleiche ist, nur nicht so groß. Diesmal hatten nicht alle Schafe Geburtstag, sondern alle Kühe.

Im August kommt dann noch San Roque, das ist dann der Geburtstag der Hunde. Mal sehen, wie das wird.

Bis dahin bin ich nun erstmal mehrere Wochen im Urlaub, ich werde, sobald ich wieder zurück bin, dann berichten.

12Juni
2016

Fast zwei Monate mich nicht gemeldet

Zuerst: Sorry, dass ich mich so lange nicht mehr gemeldet habe, ab jetzt kommen wieder öfter Blogeinträge.

Das liegt daran, dass die letzten Wochen sehr, sehr stressig waren. Im Wiñay fand seit Anfang März jedes Wochenende eine Aktivität statt. Talentnacht, Tanz-und Theaterauftritte, der Abschied der kanadischen Freiwilligen, die mit uns ein halbes Jahr im Wiñay gearbeitet haben – es war immer etwas los.

In der Talentnacht konnte jeder vorführen, was er konnte. Es gab Feuerspucken und Zirkuseinlagen, tolle Tänze und grausamen Gesang, Musik und Gedichte. Ich tanzte mit Jelka einen Cha-Cha-Cha.

Feuerspucken in der Talentnacht

Die besten Acts wurden dann eingeladen für die nächste Veranstaltung, die dann auch ein paar Cent Eintritt kostete.

Außerdem zeigten die Kinder auf drei Tanzfestivals, was sie alles gelernt hatten und es wurde das Theaterstück „Der kleine Prinz“ im Wiñay, in zwei Schulen und in einem Kulturzentrum aufgeführt.

Die Tanzgruppe von Gumboot, einem traditionellen kanadischen Tanz

Die Kanadier verabschiedeten sich mit einem großen Fest und einer Piñata, hier ist das Video dazu:

Nachdem nun die einen Kanadier leider wieder weg sind, sind nun aber auch schon neue da. Dieses Mal nur für 2 Monate ist eine Gruppe von 7 kanadischen Freiwilligen angekommen, von denen eine auch in meiner Gastfamilie leben wird.

Außerhalb der Arbeit habe ich nicht viel gemacht, außer dass ich über das lange Wochenende von Fronleichnam mal wieder nach La Paz gefahren bin. Dort habe ich die anderen Freiwilligen getroffen.

Ich in der Seilbahn, die wichtiger Bestandteil des Verkehrssystems in La Paz ist

Wir sind zusammen wandern gegangen und haben auf dem Weg eine verlassene Mine gefunden. Nachdem wir etwa fünf Minuten lang hineingelaufen waren, wurde es uns doch zu mulmig und wir sind wieder heraus.

Lorena und ich in einer verlassenen Mine Zurück nach Sucre habe ich mir dann einen Flug gegönnt, auch weil ich Montag früh wieder pünktlich ins Krankenhaus musste, in dem ich im Moment ein Pflegepraktikum mache (siehe unten).

Ecojet. Die Airline hat insgesamt nur vier Flugzeuge

03Juni
2016

Pflegepraktikum

Seit etwa einem Monat mache ich jeden Vormittag ein Pflegepraktikum für das Medizinstudium, für das ich mich nun wohl endgültig entschieden beworben habe.

Das Krankenhaus nennt sich CIES und liegt im Zentrum von Sucre. Spezialisiert ist es besonders auf Gynäkologie und Sexual- bzw. Reproduktionsmedizin. Ich bin vor allem auf der Station, allerdings gibt es dort nicht immer viel zu tun. Ansonsten habe ich das Glück, bei OPs dabei zu sein. Am faszinierendsten waren die zwei Kaiserschnitte, die ich mir anschauen durfte. Ansonsten habe ich gesehen wie Gebärmuttern, Gebärmuttertumore, Zysten und Reste von einer Abtreibung entfernt werden.

Ich kann leider das bolivianische Krankenhaus nicht wirklich mit einem deutschen vergleichen, weil ich einfach keine deutschen Krankenhäuser kenne. Natürlich sind zwar die Geräte, Betten, Zimmer usw. einfach älter und so etwas wie einen Notfallknopf gibt es nicht, aber generell würde ich mich als Patient auch einigermaßen wohlfühlen hier im CIES.

Merkwürdig ist, dass ich mir für den OP-Saal zwar komplett OP-Kleidung anziehen muss, inkl. Schuhüberziehern und Haarnetz, aber ich mir die Hände nicht waschen soll, weil ich „ja eh nichts anfasse“.

OP-KleidungIn etwas mehr als einer Woche werde ich dann fertig sein, und darüber bin ich auch froh, denn obwohl es sehr interessant ist, habe ich einfach keine Lust mehr auf frühes Aufstehen und den doppelten Stress vom Wiñay und dem Krankenhaus.

17April
2016

Sportfest im Wiñay

Gestern haben wir ein Sportfest veranstaltet, um den Tag des Kindes und den bevorstehenden 21. Geburtstag des Wiñay zu feiern.

Es gab verschiedene Spiele für die Kleinen, z. B. Sackhüpfen. Eierlaufen oder einen Miniparkour.

Bonbons mit dem Mund aus Mehl herausfischen Eierlaufen Anita, Wendi und Isaura Miniparkour Der Sack war zu klein...

Für die größeren Kinder gab es ein Seifenkistenrennen, einen Minimarathon, Fackel-  und Fahrradrennen und Tanz und Musik. Es war ein voller Erfolg!

Seifenkistenrennen (© Sonia de GrandMaison) Nesthor an der Charango

Mutter-Kind-Rennen (© Sonia de GrandMaison)

15April
2016

Día del niño (Tag des Kindes)

Mein Fußballturnier ist nun endlich erfolgreich zu Ende gegangen, wie geplant pünktlich zum 12. April, dem Tag des Kindes.

Finalspiel

Am Freitag danach feierten wir mit den Kindern diesen Tag mit einem Fest mit Musik, Tanz, Schminkstation und Kuchen.

Tanzende Kinder im Innenhof des Wiñay (©Sonia de GrandMaison)

Wir Freiwilligen verkleideten uns alle. Ich ging als Zahnarzt und versuchte allen Kindern mit auf den Weg zu geben, das sie sich nach dem Kuchen die Zähne putzen müssen. Ich glaube aber, das der Großteil nicht auf mich gehört hat.

Zahnarzt Dr. Blume (© Sonia de GrandMaison)  

06April
2016

Neues aus dem Wiñay

Am 8. März sind wir Wiñayfreiwillige bei einem großen Marsch zum Internationalen Tag der Frau mitgelaufen. Der Tag ist hier sehr wichtig, Ungleichheit und Gewalt gegen Frauen sind weit verbreitet.

Marsch zum Tag der Frau

Im Wiñay selbst geht es mir immer noch super. Ich mache weiterhin meinen Backkurs, habe aber immer noch nicht mit meinem Reise-um-die-Welt-Projekt angefangen, weil ich im Moment ein großes Fußballturnier organisiere und damit komplett beschäftigt sind. Insgesamt nehmen etwa 130 Kinder zwischen 6 und 16 Jahren daran teil und es funktioniert zum Glück einigermaßen. Dafür bin ich jedes Wochenende von morgens bis abends auf dem Sportplatz.

Die Kinder beim Fußballturnier

Letzte Woche ist etwas Lustiges passiert. Vanessa, eine bolivianische Freiwillige, gab uns Sonnencreme für die Kinder, die deutsche Freiwillige dort gelassen hatten. Nachdem sich die Kinder dick eingecremt hatten, stellte sich heraus, dass es Autan war. Vanessa konnte die deutsche Schrift nicht lesen. Dann gab sie uns tatsächlich Sonnencreme, doch als wir nun den Kindern die Sonnencreme gaben, war es irgendwie sonderbar. Ein Tropfen reichte für etwa fünf Kinder und alle hatten weiße Gesichter. Das fanden die Kleinen ziemlich lustig, wir stellten dann fest, dass die Sonnencreme seit 9 Jahren abgelaufen war und sie auch mit Seife nicht von Händen, Gesichtern und Brillengläsern zu entfernen war.

Ein bisschen alt, die Sonnencreme...

Ansonsten fange ich jetzt mit einer kanadischen Freiwilligen donnerstags einen Schachworkshop an, denn die Kinder begeistern sich dafür. Dafür bastele ich gerade ein großes Schachspiel zum Beibringen.

Der Monat April wird nun wirklich stressig, weil ab jetzt jedes Wochenende etwas stattfindet, wir machen zum Beispiel eine Talentnacht, ein Sportfest und wir feiern den Geburtstag des Wiñay. Nächstes Wochenende sind dazu noch die Halbfinal- und Finalspiele meines Turniers.

Außerdem helfe ich gerade einer Frau, dessen drei Kinder ins Wiñay gehen. Ihr Mann hat sie vor zwei Jahren verlassen und sie lebt nun mit ihren Kindern (zwischen 4 und 11 Jahren) in einer kleinen Lehmhütte, für die sie im Monat etwa 12 Euro Miete zahlt. Sie verkauft auf der Straße Kohle und kann davon gerade mal so leben. Nun hat sie Gallensteine und muss sich behandeln lassen. Zwei ehemalige Freiwillige haben sich bereit erklärt, sie dabei finanziell zu unterstützen und ich begleite die Frau nun zum Arzt, kaufe ihre Medikamente, usw.

Was mir aufgefallen ist, dass hier viel mehr Spritzen gegeben werden. In Deutschland gibt es für fast alles Tabletten. Der Frau hingegen hat der Arzt drei Spritzen und fünf Ampullen, Nadeln, Infusionsbeutel, -schlauch und Glucoselösung verschrieben. Ich staunte nicht schlecht, als mir das ganze Zeug in der Apotheke über den Tresen gereicht wurde und es war nicht leicht, jemanden zu finden, der ihr die Infusion legt, zumal der Arzt so gut wie nichts aufgeschrieben hatte. Ein totales Chaos, vor allem weil die Frau sich irgendwie für ihre Krankheit schämt und es sehr schwierig ist, sich mit ihr abzusprechen.

29März
2016

Ostern

An Ostern war eigentlich nicht viel los.

Karfreitag ist hier der wichtigste Tag, es werden traditionell 12 Gerichte gekocht, meine Gastoma machte sieben: Sardellen in Tomatensauce mit Salzkartoffeln, Erbsenpfanne mit Zwiebeln und Pommes, Erbsen in Chili-(Aji-)Sauce, Huminta (ein super leckerer Maiskuchen mit Käse, Nüssen und Rosinen), Rührei mit Broccoli ud Käse, ein Nudelauflauf und Milchreis. Das war klasse, weil es alles ohne Fleisch war und das erste Mal in sieben Monaten, dass in meiner Gastfamilie vegetarisch gekocht wurde! Außerdem machte meine Gastoma sehr, sehr viel und leckere Guayabamarmelade.

Zwei Kisten Guayaba, Zimt und Zucker.

Den Osterhasen oder Eier suchen kennt man hier nicht, dafür wird manchmal Ostermontag mit rohen Eiern geworfen. In anderen Gastfamilien wurde Ostern mehr gefeiert, bei mir war alles eher ruhig.

23März
2016

Tag des Meeres

Am 23. März ist der Tag des Meeres in Bolivien. Es finden Kundgebungen, Demonstrationen und Fernsehansprachen statt. Einige Kinder werden für diesen Tag in Matrosenanzüge gesteckt und ins Wiñay kamen sie vor allem mit Hausaufgaben wie "Male das Meer", "Male einen Fisch" oder "Schreib drei Seiten über das Meer ab". Und das alles nur, weil Bolivien eben KEIN Meer hat.

Vor etwa 130 Jahre verlor Bolivien den Salpeterkrieg gegen Chile, unterschrieb einen Friedensvertrag und seitdem besitzt Bolivien keinen Meereszugang mehr. Damit geben sie sich aber nicht geschlagen, sondern haben Klage vor dem Internationalen Gerichtshof eingereicht. Zum Prozessauftakt tanzten im Zentrum Menschen auf den Straßen. Insgesamt ist es für mich als Nicht-Bolivianer ziemlich witzig anzusehen, was die Bolivianer für ein Theater um ihr verlorenes Meer veranstalten.

Bolivien ist weltweit das Land ohne Meereszugang, das die größte Hochseeflotte unterhält. Obwohl die Marine nur auf dem Titicacasee herum fährt, ist sie der Stolz des Landes.

In fast jeder Werbepause läuft der immer gleiche Propagandaspot, in dem man fünf Sekunden lang aufs Meer glotzt und die Kamera dann auf Präsident Evo schwenkt, der "Mar para Bolivia (Meer für Bolivien)" sagt.

Alle LKW-Fahrer, die nach Chile ausreisen, bekommen ein Exemplar des "Buch des Meeres" geschenkt, in dem die Geschichte aus bolivianischer Sicht erzählt wird.

Mit dem Wiñay waren wir in einem Theaterstück, in dem der Verlust des Meeres als Beziehungstragödie aufgemacht war.

Wenn Chile gegen Bolivien Fußball spielt und die Chilenen anfangen "Vamos a la playa" zu singen, dann rasten die Bolivianer regelmäßig aus.

Insgesamt finde ich es eigentlich ziemlich putzig, aber die Bolivianer verstehen mit ihrem Meer überhaupt keinen Spaß und hassen die Chilenen mit ganzem Herzen. Witze kann ich hier darüber jedenfalls nicht machen.

Für diejenigen, die Spanisch sprechen, ist hier mal ein etwas längeres offizielles Video, das die bolivianische Perspektive erklärt, natürlich mit schönem Gitarrengeklimper:

Und hier die chilenische Seite, aber die gleiche Gitarrenuntermalung:

21März
2016

Cochabamba, Stadionbesuch, Pujllay

Ende Februar sind wir nach Cochabamba gefahren. Wir haben uns dort mit anderen Freiwilligen aus La Paz und Santa Cruz getroffen. Samstag sind wir dort aufs Holi Festival gegangen und haben dann Sonntag Sightseeing gemacht, denn Cochabamba hat die zweitgrößte Christusstatue der Welt, höher als die aus Rio de Janeiro. Wir sind auch innen raufgestiegen, was sich aber nicht gelohnt hat, weil man nicht rausschauen konnte und Christus innen nach Urin stank. Außerdem habe ich mein erstes Eis in Bolivien gegessen.

 

Ausblick vom Christusberg auf Cochabamba und Benni Zweitgrößte Christusstatue der Welt

Holi-Festival in Cochabamba

Dann war ich zum ersten Mal hier in Sucre im Stadion.

Universitario Sucre Fangruppe

Gestern sind wir dann nach Tarabuco gefahren, denn dort fand ein großes Fest statt, dass sich Pujllay nennt. Auf dem Hinweg im Taxi haben wir unseren bisherigen Taxirekord aufgestellt: 11 Personen. Vier im Kofferraum, vier auf der Rückbank und zwei auf dem Beifahrersitz, dazu unsere ganzen Rucksäcke. War eng.

11 Personen in einem Taxi - Rekord!

Wir kamen abends an und gingen dann auf ein Konzert einiger Bands, von denen zwei, Llajtaymanta und K'ala Marka, zu den besten und bekanntesten Bands Boliviens gehören. Draußen wurde Canelas verkauft, ein süßes heißes Zimtgetränk (auf Wunsch mit Alkohol) und drinnen fand ein wirklich fantastisches Konzert statt. Perfekt wurde es, als K'ala Marka mein bolivianisches Lieblingslied "Mamita" spielte. Das weckt mich jeden Morgen, nur bis zu dem Konzert wusste ich nicht, das es von K'ala Marka ist:

Am nächsten Tag fand dann der große Umzug statt, bei dem sogar Präsident Evo mittanzte. Das habe ich aber leider verschlafen.

Pujllay in Tarabuco in traditioneller Tracht

Den ganzen Tag über hing auf dem Hauptfestplatz eine Art bolivianischer Maibaum, von oben bis unten behängt mit Früchten, Kühen, Schnaps, Gemüse, Butter und Coca. Der wurde dann abends "gefällt" und den Dorfältesten und Organisatoren des Festes überreicht.

Der bolivianische Maibaum

 

 

22Februar
2016

Bolivien sagt Nein!

Gestern war Wahltag. Die Bolivianer stimmten über eine Verfassungsänderung ab, die es Präsident Evo Morales erlaubt hätte, noch eine Amtszeit länger bis 2025 im Amt zu bleiben.

Die Wochen vorher wurde im ganzen Land Werbung für das Sí! gemacht. Edwin aus meiner Gastfamilie wurde beispielsweise gezwungen, für die Evokampagne Flyer zu verteilen, um seinen Job behalten zu können. Umso toller, dass trotz extrem ungleicher Bedingungen für die beiden Wahlkampflager letztendlich das Nein gewonnen hat, und Evo eine ordentliche Niederlage eingefahren hat. In deutschen Zeitungen liest man zurecht, dass die bolivianische Demokratie reifer geworden ist. Zwar ist Evo meiner Meinung nach der beste Präsident, den Bolivien jemals hatte, doch mittlerweile regiert er immer totalitärer. In staatlichen Einrichtungen oder Institutionen, die vom Staat unterstützt werden, darfst du beispielsweise nicht eingestellt werden,wenn du nicht Mitglied in der Regierungspartei MAS bist. Dementsprechend habe ich mich über das No! sehr gefreut!

Chuquisaca (mein Bundesland) sagt Nein!

Da Wahltage hier immer Ausnahmezustand bedeuten, weil Geschäfte geschlossen sind, schon Tage davor kein Alkohol verkauft werden darf und am Wahltag ein landesweites Fahrverbot gilt, sind wir Sucre am Samstag auf einer Pickup-Ladefläche entflohen und haben ein schönes Wochenende in Cajamarca verbracht, wo wir im Oktober schon einmal waren.

Zu sechst auf dem Weg nach Cajamarca

Dort pflanzten wir dann 65 Bäume, um zwei Nächte kostenlos dort wohnen zu dürfen.

  Spaß beim Baumpflanzen

Sonntag machten wir dann eine echt schöne Wanderung und am Montag ging es dann morgens früh um 6 Uhr wieder zurück nach Sucre zur Arbeit.

Oben auf dem Gipfel 

14Februar
2016

Sehr, sehr nass.

 Man kennt den deutschen Karneval. Bunte Verkleidungen, schlechte Musik, komischer Humor und viel Bier. Der bolivianische Karneval ist etwas anders. Hier verkleiden sich die Leute eigentlich nicht, durch die Straßen ziehen Blasmusikkapellen und das allerwichtigste ist: Wasser. Ich kann nicht vor die Tür gehen, ohne sofort von allen Seiten mit Wasserbomben und -pistolen abgeschossen und mit Schaum besprüht zu werden. Mein Handy ist seit zwei Wochen nur noch in einem Plastikbeutel und ich musste mich teilweise am Tag drei Mal umziehen. Während in anderen bolivianischen Städten der Karneval teilweise schon früher losging, fing er hier in Sucre vor einer Woche Sonntagmorgen mit dem Umzug der Kinder an. Wir vom Wiñay machten dabei auch mit, dieses Jahr gestalteten wir unseren Beitrag zum Thema Soziale Netzwerke und die Benutzung des Handys. Ich spielte dabei Panflöte und Tarca, eine Art Blockflöte. Wir machten unseren musikalischen Teil eigentlich ganz gut, aber unsere kleine Tanzaufführung vor der Jury, die jährlich den besten Beitrag prämiert, lief leider nicht so wie erhofft. Die letzten Jahre hatte das Wiñay immer gewonnen, dieses Jahr glaube ich das eher nicht.

Unsere kleine Flötentruppe mit den Jungs aus Bartolina

Karnevalsbemalung  Natalie beim Wasserbombenfüllen 

Nachmittags machten wir uns dann mit 20 anderen Bolivianern auf einem Lkw auf den Weg, um uns in den Wasserkrieg zu stürzen. Mit etwa 2000 Wasserbomben bewaffnet fuhren wir durch die Straßen und schossen die Leute ab.

Die Wasserschlacht ist geschlagen!

Das war auch soweit ganz entspannt, weil wir recht weit oben waren. Das Blatt wendete sich, als wir in die Avenida de las Americas einfuhren. In dieser Todeszone konntest du nicht den Kopf herausstrecken, ohne volle Möhre zehn Wasserbomben an die Rübe gedroschen zu kriegen. Nachdem unsere Munitionsvorräte zur Neige gingen und es langsam wirklich kalt wurde, da es langsam dämmerte, wollten wir dann doch einfach nur nach Hause. Am Ende war ich unfassbar durchgefroren und habe noch nie eine warme Dusche so genossen!

Selbst beim Gruppenfoto wurden wir nassgemacht!

Der Karneval ging die ganze Woche weiter, mit Umzügen, Musik und der Tradition des Ch’alla. Dabei wird vor dem Auto der Familie Papiergeld verbrannt und das Auto mit Alkohol begossen. Der Rest, der dann noch übrig ist, wird dann getrunken. Im Grunde ist man hier über Karneval non-stop hacke.

Ch'alla in Jelkas Gastfamilie  Ch'alla in Cajamarca

Heute hat der Karneval nun sein Ende gefunden. In Yotala, einem Dorf in der Nähe von Sucre, war die letzte Parade und ich ließ dort die Karnevalszeit mit meiner Gastfamilie und mit leckerer Chicha ausklingen.

Gasse in Yotala. Die Plastikponchos sind nicht gegen Regen!  Chichabar im Grünen

03Februar
2016

Wochenendlager Wiñay und landesweiter Bloqueo

Lagerfeuer in Tomina (© Andreánn Lahaie)

Freitag ging es mit einigen Jugendlichen aus dem Wiñay Canadá und Bartolina und den ganzen Wiñayfreiwilligen auf das jährliche Sommerlager, dieses Jahr in das Haus meiner Gastfamilie in Tomina. Das liegt etwa drei Stunden von Sucre entfernt, wir fuhren die Strecke in fünf. Das lag daran, dass wir so viele Sachen mitnahmen (Herd, Matratzen, Decken, Töpfe, usw.), sodass wir nicht mit einem Bus oder Micro fahren konnten. Also packten wir alles, inklusive uns, auf eine Lkw-Ladefläche und machten uns auf den Weg. Die Fahrt war toll, nicht nur weil es ziemlich Spaß machte, dort hinten mitzufahren, sondern auch weil wir durch wirklich schöne Landschaft fuhren. Schlussendlich kamen wir dann nachmittags im kleinen, ruhigen Tomina an und die Leute guckten alle aus ihren Türen hinaus, weil Besuch ist man dort eher weniger gewohnt. Wir richteten uns zunächst in dem Haus ein (30 Leute, zwei kleine Zimmer), dann kochten wir und verbrachten die nächsten Tage mit Gruppenspielen, Workshops und Lagerfeuer. Obwohl in dem Haus sehr wenig Platz war, war es doch auch echt schön da. Es gibt dort einen Granatapfel-, einen Zitronen-, einen Feigen- und einen Orangenbaum, außerdem ein süßes kleines Rinderkalb, mit dem wir viel spielten.

Hinfahrt im auf dem Lkw Gruppenfoto in Tomina (© Andreánn Lahaie) Das kleine Kalb im Haus meiner Gastfamilie

Nun war eigentlich geplant, am Sonntag wieder zurückzufahren. Leider machte uns ein Bloqueo einen dicken Strich durch die Richtung. Bloqueos sind die bolivianische Art, politisch zu demonstrieren. Es werden dann Straßen blockiert, und je nach politischem Thema passiert das innerhalb einer Stadt oder, wie jetzt gerade, landesweit. Dieses Mal sind es die Lkw-Schwertransportfernfahrer, die gegen ihrer meiner Meinung nach zu hohe Zoll- und Steuergebühren protestieren. Obwohl in Bolivien fast der komplette Verkehr über die Straße geht, da es kein Zugnetz gibt, existieren trotzdem nur wenige Straßen zwischen den einzelnen Großstädten. Das heißt, mit ein paar wenigen, klug organisierten Bloqueos lässt sich das komplette Land lahm legen. Die Polizei kann dagegen nichts machen, weil die Straßenblockade hier eine legitime Art und Weise politischer Partizipation ist. Für uns hingegen war das ziemlich blöd, weil Montag die Schule wieder losging und wir nicht nach Hause kamen.

Am nächsten Tag schafften wir es dann, inklusive zwei Stunden Fußmarsch durch den Bloqueo in knapp acht Stunden endlich zurück nach Sucre. Auch wenn das ziemlich anstrengend war, weil ich ziemlich viel in meinem Rucksack hatte und ich noch den Herd tragen musste, war es echt beeindruckend, die endlose Schlange von wartenden, bunten Lkws zu sehen, an denen wir vorbeiliefen.

Bloqueo kurz vor Sucre (© Andreánn Lahaie)

Vanessa, eine bolivianische Freiwillige aus dem Wiñay, ist allerdings zusammen mit meiner Gastoma in Tomina geblieben, weil sie mit ihren drei kleinen Kindern den Fußmarsch nicht schaffen würde. Mal sehen, wann sich das regelt, bisher ist noch keine Einigung in Sicht, ab morgen wird auch die Stadt Sucre selbst blockiert. Spannend wird es, wenn jetzt dieses Wochenende Karneval ist. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass sie bis dahin weiterblockieren. So weit werden sie dann hoffentlich doch nicht gehen, denn der Karneval ist das wichtigste Fest des Jahres und alle Leute werden feiern!

25Januar
2016

Aktuelles aus dem Wiñay

Seit einem Monat haben die Kinder Sommerferien. Das heißt, dass ein Großteil unserer Arbeit, die Hausaufgabenhilfe, wegfällt. Stattdessen haben wir Sommerkurse (Backen, Kunst, Schreibwerkstätten, usw.) angeboten.

Die Kinder beim Weihnachtsfestival (© Andréann Lahaie)

Außerdem sind nun fünf kanadische Freiwillige angekommen, die schon mehr oder weniger pädagogische Vorerfahrung haben und hier kleine Projekte durchführen mit den Kindern. Noch weiß ich nicht, ob ich das gut finde, dass wir nun so viele Freiwillige sind. Zwar ist nun zum neuen Jahr auch ein neues Viertel, Horno Khasa B, hinzugekommen, aber andererseits habe ich nun leider weniger Möglichkeiten, eigene Projekte wie einen Standardtanzkurs durchzuführen, den ich mit Jelka machen wollte, die nun nämlich auch zu uns ins Projekt gewechselt ist.

Diese Woche fangen nun die Vorbereitungen für Karneval an, weil wir mit dem Wiñay am Kinderumzug mit unserem Motto „Internet und Soziale Netzwerke“ teilnehmen und hoffen, wie jedes Jahr zu gewinnen. Ansonsten machen wir nächstes Wochenende einen dreitägigen Ausflug mit den älteren Kindern des Wiñay, auf den ich mich schon sehr freue.

11Januar
2016

Urlaub mit Papa - Potosí und Abschied

(Das ist der letzte Blogeintrag über den Urlaub mit meinem Vater. Wenn ihr das chronologisch lesen wollt, fangt weiter unten mit Samaipata an und lest euch hoch!)

Potosí war lange Zeit die reichste Stadt der Welt und im 17. Jahrhundert größer als Rom, Madrid oder Paris. Gleichzeitig hat keine Stadt der Welt solch einen Niedergang erlebt, und das alles wegen eines einzigen Berges. Aus dem Cerro Rico („Reicher Berg“), der sich über die Stadt erhebt, wurden bis heute 46.000 Tonnen Silber geholt! Ein Jahrhundert später jedoch war der Berg so gut wie leer und Potosí fiel in die Bedeutungslosigkeit. Dennoch wird hier noch heute Bergbau betrieben und wir besuchten die Minen mit einer eindrucksvollen Führung. Immer wieder kamen uns Arbeiter mit ihren handgeschobenen, tonnenschweren Loren entgegen, die oft deutlich jünger als ich waren. Von innen ist der Cerro Rico absolut durchlöchert und es ist eigentlich ein Wunder, dass der gesamte Berg noch nicht als Ganzes zusammengebröselt ist. Vor allem wenn man ab und zu Dynamitschläge durch den Berg hallen hört, wird einem schon ziemlich mulmig! Nach drei Stunden Enge und Staubluft waren wir froh, wieder Tageslicht zu sehen. Unvorstellbar, dass hier vor allem Kinder und Jugendliche tagelang schuften.

Minenarbeiter, die wir unter Tage trafen Ich unter Tage Froh, wieder draußen zu sein! 

Am nächsten Tag entspannten wir uns in der heißen Quelle „Ojo del Inca“ („Auge des Inka“). In das wunderbar warme Thermalwasser, das in der Mitte gut 20m tief ist und durch einen Vulkan auf Körpertemperatur aufgeheizt wird, soll der Legende nach manchmal der Teufel arme Touristen hinunterziehen.

Thermalquelle Ojo del Inca 

Wir haben es zum Glück schlussendlich lebendig und sehr erholt wieder zurück nach Potosí geschafft, auch wenn es ziemlich schwer war, sich zu überwinden, aus dem Wasser wieder herauszusteigen. Die Luft war dann nämlich leider doch ziemlich frisch. Die letzten Tage verbrachten wir dann noch in Sucre, aßen in meiner Gastfamilie zu Mittag, gingen auf den Sonntagsmarkt in Tarabuco und dann ging es für Papa leider am Montag wieder zurück nach Deutschland. Der Abschied fiel mir sehr schwer und ich wünschte, er hätte noch ein bisschen länger bleiben können!

Das Foto wollte Papa unbedingt machen in Tarabuco.

Es war toll mit dir!

 

06Januar
2016

Urlaub mit Papa - Sucre

Von allem, was wir machen würden, hatte ich mich mit Abstand am meisten darauf gefreut, meinem Vater endlich mein Zuhause und meine Gastfamilie, meine Arbeitsstelle, mein Viertel, mein Sucre zeigen zu können.

Papa mit unserem Familienpapagei Lorenzo

Auch er musste zugeben, dass ich hier wirklich in der schönsten Stadt Boliviens lebe! Vor allem das örtliche Zementwerk fand mein Bauingenieursvater natürlich ziemlich spannend!

Papas Bolivienhighlight: Zementwerk Fancesa in Sucre

Ob es hier am angenehmen Klima, der moderaten Höhe oder der zehn Medikamente lag, die er nehmen musste – ihm ging es auch gesundheitlich zum Glück bald besser. Also wagten wir es, noch Potosí zu besuchen!

04Januar
2016

Urlaub mit Papa - Copacabana

Ausblick auf Copacabana am Abend

Copacabana ist ein sehr schönes Städtchen am Titicacasee, nach dem der Copacabanastrand in Rio de Janeiro benannt wurde.

Sonnenuntergang auf dem Titicacasee

Copacabana ist der wichtigste bolivianische Pilgerort, und die Leute fahren aus allen Landesteilen ihre Autos hier auf den Marktplatz, um sie segnen zu lassen. Das ist wohl der bolivianische Ersatz für die Vollkasko.

Autosegnung in Copacabana

Eigentlich wollten wir noch auf den Titicacasee fahren und die Isla del Sol besuchen, doch mein alter Herr lag leider mit Höhenkrankheit und Magen-Darm komplett flach und wir mussten weiter nach Sucre fliegen.

01Januar
2016

Urlaub mit Papa - La Paz

Der Flug nach La Paz war ziemlich faszinierend, weil man nach extrem kurzen Sinkflug (man landet auf über 4000m) durch schneebedeckte Berggipfel hindurch einen wirklich fantastischen Ausblick über die ganze Stadt hat.

Anflug durch die Anden  Der Blick über den Talkessel von La Paz Kurz vor der Landung über El Alto

Wir verbrachten einige Tage in der Stadt, fuhren nach El Alto auf den größten Markt der Welt und feierten dann Silvester, mit einem der schönsten Ausblicke, die ich je gesehen habe, auf das von Tausenden Feuerwerkskörpern erleuchtete La Paz.

Silvester in La Paz

Mit der Höhe hatte Papa zunächst, außer Kopfschmerzen, keine Probleme, doch das sollte sich ändern…

Papa und ich in El Alto

29Dezember
2015

Urlaub mit Papa - Samaipata

Am 27. Dezember wurde ich besucht! Nachdem mein Vater frühmorgens mit drei Stunden Verspätung endlich im schwül-heißen Santa Cruz angekommen war, fuhren wir nach Samaipata, ein kleines, ruhiges Städtchen etwa 3 Stunden von Santa Cruz entfernt, das mit mildem Klima und ruhiger Atmosphäre lockt. Nachdem wir uns ein bisschen von der Reise erholt hatten (auch ich hatte 16 Stunden im Fernbus auf miesester Staubpiste verbracht), besuchten wir den Amboro Nationalpark, der durch seine meterhohen Baumfarne echt beeindruckend war.

Amboro-Nationalpark bei Samaipata

Am nächsten Tag besuchten wir mehrere Wasserfälle und fuhren dann wieder zurück nach Santa Cruz, um von da aus nach La Paz zu fliegen.

Bergpanorama bei Samaipata, mit meiner Birne leider im Bild

25Dezember
2015

Weihnachten

Hier kommt nun endlich wieder ein neuer Blogeintrag, nach sehr langer Zeit habe ich es endlich wieder geschafft! Nun ist Weihnachten zwar echt schon eine ordentliche Zeit her, aber ich denke es lohnt sich trotzdem noch, ein wenig darüber zu berichten.

Die Adventszeit war im Wiñay recht stressig, da wir viele Vorbereitungen treffen mussten für unseren Jahresabschluss, das Weihnachtsfestival. Mit den Kindern machten wir Unmengen an Plätzchen und knapp 700 Buñuelos, eine Art Langos.

Buñuelos machen im Wiñay (©Andréann Lahaie)

Die verschenkten wir dann am 22. Dezember zusammen mit Heißer Schokolade an alle Kinder und Eltern, die zu unserem Festival kamen.

Lass es dir schmecken! (©Andréann Lahaie) Die Buñuelos gingen weg wie warme Semmeln! (©Andréann Lahaie)

Das waren nicht nur Leute vom Wiñay, sondern aus allen Barrios kamen sie zu uns. Wir machten einen kleinen Umzug auf der Straße und es wurde viel Chuntunqui getanzt, der typische bolivianische Weihnachtstanz. Dass wir etwa 20 Minuten lang die Hauptstraße hier blockierten und selbst die Polizei nicht durchkam, störte niemanden.

Weihnachtsumzug (©Andréann Lahaie)  Der Weihnachtsmann (©Andréann Lahaie)

Ich hatte mich als Weihnachtsmann verkleidet (typisch bolivianisch natürlich mit Andenponcho) und verschenkte Kekse an die Kinder. Außerdem gab es ein Puppentheater und wir führten zu „Jingle Bells Rock“ ein kleines Tänzchen auf.

Beim Puppentheater hatten die Kinder einen Riesenspaß! (©Andréann Lahaie)

Trotzdem wollte für mich, trotz aller Weihnachtsvorbereitungen, nicht wirklich Weihnachtsstimmung aufkommen.

Weihnachtsbeleuchtung im Stadtzentrum

Zwar hingen überall in der Stadt und an den Häusern blinkende und Weihnachtslieder plärrende Lichterketten und in jeder Familie standen üppig geschmückte Krippen, doch auch am 24. selbst fühlte ich mich bei 22°C nicht wirklich besinnlich. Es wurde in meiner Gastfamilie auch nicht wirklich gefeiert. Gegessen wurde dann am nächsten Tag Picana, das Weihnachtsessen, das wirklich in jeder Familie gekocht wird. Das ist eine eher süßliche Suppe, mit verschiedenen Fleischsorten, Möhren, Kartoffeln, Rosinen, die ich leider nicht so lecker fand. Generell fehlte mir an Weihnachten Deutschland sehr. Hier gibt es nun mal keinen Adventskranz oder -kalender, Weihnachtsmarkt oder Lebkuchen. Die Weihnachtsbäume sind mit viel Wohlwollen noch geschmacklos zu nennen.

Bolivianischer Weihnachtsbaum

Und natürlich war Weihnachten ohne meine Familie auch nicht wirklich schön. Am 25. Dezember um 0 Uhr wurde dann überall Feuerwerk gezündet, und Heiligabend war vorbei. Mehr gefeiert wird wohl auf dem Land, da werden die Nächte mit viel Alkohol und noch mehr Chuntunqui durchgetanzt.

Richtig beendet wurde die Weihnachtszeit erst am 6. Januar, an Heilige Drei Könige. Da wurde dann mit viel Chuntunqui die Jesuskrippe wieder eingepackt und Weihnachten endgültig beendet.

29November
2015

Wochenendausflug nach La Paz

Freitagabend machten wir uns mit dem Fernbus auf nach La Paz, dem höchstgelegenen Regierungssitz der Welt. Nach 12 Stunden Fahrt kamen wir morgens um 7 Uhr an und wurden von Freunden (Lena, Lorena und Vincent) vom Bus abgeholt.

Nach leckerem Frühstück machten wir uns auf den Weg, ein bisschen die Stadt zu erkunden, und fuhren dann abends hoch nach El Alto, um von dort die Aussicht auf die Stadt bei Nacht zu genießen.

Den Ausblick auf La Paz bei Nacht genießen...

El Alto ist der große, höhere, ärmere Bruder von La Paz. Während La Paz bei 3200m Höhe in einem Talkessel liegt und dank bolivianischem Regierungssitz und angenehmerem Klima eine eher reichere Stadt ist, ist El Alto (4100m) vor allem in seinen Randbezirken bitterarm. Da die Straßen zwischen El Alto und La Paz dauerhaft verstopft sind, hat Präsident Evo Morales bei der österreichischen Firma Doppelmayr den Teleférico, ein Seilbahnnetz, in Auftrag gegeben, das die beiden Städte mit mehreren Gondellinien verbindet. Für eine Fahrt zahlt man umgerechnet etwa 40 Cent, und kann eine schnelle, sichere, bequeme Fahrt genießen, die bei dem großartigen Ausblick auch ruhig etwas länger dauern könnte.

Der Ausblick aus dem Teleférico

Wenn man dann oben angekommen ist, dann merkt man schon, dass die Luft dünner ist, auch weil es oben deutlich kälter ist. Probleme mit der Höhenkrankheit hatte ich zum Glück keine, was wahrscheinlich daran liegt, dass ich aus Sucre ja auch schon eine gewisse Höhe gewöhnt bin.

Trotzdem der Höhe liegt La Paz allerdings immer noch in einem Talkessel, umrandet von schneebedeckten 6000ern und bizarren Felsformationen.

Der Huayna Potosí

Stadtrand von La Paz

Wir schliefen in der WG von drei anderen Freiwilligen, um dann am nächsten Tag die Feria in El Alto zu besuchen, den größten und gleichzeitig höchstgelegenen Großmarkt in ganz Südamerika. Hier wird donnerstags und sonntags alles verkauft, was man sich vorstellen kann, von Möbeln, Kleidung, Essen, Autos- und Autoteilen bis hin zu mir völlig (bisher glücklicherweise) unbekannten Früchten mit Seifegeschmack…

Ich hab keine Ahnung, wie die Frucht hieß, aber sie war verdammt eklig!

…Hasenpfoten…

Hasenpfoten als Glücksbringer

…Lamaköpfen- und föten…

Lamaköpfe auf dem Markt, in der Tüte daneben deren (ehemaliger) Inhalt  Grundzutat zu bolivianischen Hausfundamenten: Lamaföten

…und kleinen Bastpeitschen (Chigotes) für ungezogene Kinder.

Stand für Kinderpeitschen

Auch wenn man höllisch aufpassen muss, dass einem nichts geklaut wird in der Menschenmenge, war es unglaublich faszinierend, da zu sein, obwohl ich ja nur einen winzigen Bruchteil des Marktes gesehen habe. Da war ich auf jeden Fall nicht zum letzten Mal!

Nach einem tollen Wochenende ging es dann Sonntagnacht von La Paz wieder zurück, am höchstgelegenen internationalen Flughafen der Welt vorbei, durch Oruro und Potosí nach Sucre.

Gruppenbild in El Alto

23November
2015

Meine tägliche Arbeit im Wiñay

Vorab: Die Arbeit macht mir immer noch sehr viel Spaß und mir ist selten langweilig.

Vor allem helfe ich bei den Hausaufgaben, denn dabei werde ich wirklich gebraucht.

Außerdem gebe ich montags für Erst- und Zweitklässler einen Rhythmuskurs, was für mich eine ziemliche Herausforderung darstellt. Mir Übungen und Rhythmusspiele auszudenken oder rauszusuchen und die Kinder dann so zu koordinieren, dass sie nicht nur Lärm, sondern Rhythmus machen, ist wirklich schwierig.

Darüber hinaus backe ich einmal pro Woche Kuchen und Plätzchen mit den älteren Kindern, was ihnen und mir Spaß macht. Anschließend „verkaufen“ wir den Kuchen für 1 Bs, also etwa 15ct. Der Backduft lockt immer alle an, sodass innerhalb von wenigen Minuten meist alles verkauft ist.

Dienstags verbringe ich außerdem noch Zeit mit den ganz kleinen Kindergartenkindern, die wirklich unfassbar süß sind.

Die Kindergartenkinder in der Schlange zum Händewaschen

Donnerstagabends gehe ich immer auf den Fußballplatz, damit die Jugendlichen dort Fußball spielen können. Das funktioniert eigentlich ganz gut, ist nur teilweise sehr chaotisch, was die Teamzusammenstellung angeht.

Ansonsten gehe ich fast jeden Abend nach Bartolina, wo immer der Jugendtreff stattfindet. Dort habe ich leider fast nie etwas zu tun, deswegen verstehe ich bisher nicht, was ich dort soll.

Natürlich bin ich insgesamt auch einfach viel damit beschäftigt, aufzuräumen, sauber zu machen und mit den Kindern zu spielen und zu reden.

23November
2015

Bolivianische Schule

Meine Hauptaufgabe im Wiñay ist es, den Kindern mit ihren Hausaufgaben zu helfen. Die sind meistens sehr langweilig und monoton. In Mathe lösen sie hauptsächlich Übungsaufgaben zu den Grundrechenarten oder schreiben beispielsweise die Zahlen zwischen 200 und 500 auf. In Spanisch schreiben Sie 10 Wörter, die mit dem Buchstaben B anfangen, und daraus müssen sie dann 10 Sätze bilden. Gerade in Fächern wie den Naturwissenschaften bleibt mir oft nichts anderes übrig als den Kindern die Antworten zu diktieren, da die Aufgaben viel, viel zu schwer sind für die Kinder. Leider nimmt das Schulsystem keine Rücksicht darauf, dass zwar anspruchsvoller Stoff gelehrt wird, die Kinder jedoch schon im ersten Schuljahr nicht mehr hinterherkommen. Umso verständlicher ist es, dass die meisten Kinder nach der Grundschule aufhören, zur Schule zu gehen. Um sie dennoch zur Schule zu bewegen, wird jedem Kind, das zur Schule geht, 200 Bolivianos (etwa 30€) jährlich gezahlt, was ordentlich Geld, besonders für arme Familien mit vielen Kindern, bedeutet.

18November
2015

Die Mamás

Das Wiñay arbeitet auch mit den Müttern der Kinder zusammen. Jeden Mittwoch treffen sie sich, bekommen einen Alphabetisierungskurs, weil viele von ihnen nicht lesen können. Heute haben wir mit den Mamás gebacken, Kokosmakronen und Pfannkuchen mit Apfelkompott.

Es war recht eng in der Küche

Es war eigenartig, da die Mamás mich „Profe“ genannt haben, also als sei ich ihr Lehrer. Die Bilder sind witzig geworden, weil ich einfach knapp zwei Köpfe größer als die bolivianische Durchschnittsmamá bin.

Ein prüfender Blick von gaaaanz weit oben Ich habe noch keinen Bolivianer kennengelernt, der größer als ich ist.

15November
2015

Feria in der Stadt

Im Parque Bolivar, ein schöner Park im Zentrum Sucres, haben wir vom Wiñay heute ein Festival organisiert. Zunächst hatten alle Kinder, die vorbeikamen aus der ganzen Stadt, die Möglichkeit, die diversen Spiele auszuprobieren, die das Wiñay mitgebracht hatte. Ich war zuständig für einen großen Frosch, in dessen Maul und Augen die Kinder Bälle werfen konnten, was ihnen sehr viel Spaß bereitet hat.

Die Kleinen hatten einen Riesenspaß! Das Wurfziel: Der Frosch.

Anschließend zeigten die Kinder die ganzen Tänze, die sie gelernt hatten.

Es waren ordentlich viele Zuschauer da Viele bolivianischen Tänze verwenden Accessoires, wie hier z.B. Regenschirme

Der Tobas, ein Kriegstanz

07November
2015

Casa de Terror

Heute haben wir aus dem Wiñay Bartolina ein Horrorhaus gemacht. Aus Bänken, Decken, Tischen und Planen bauten wir ein Labyrinth und hängten alle Fenster zu, sodass es stockdunkel war. Wir verkleideten uns, schminkten uns und dann ging es los, knapp vier Stunden lang insgesamt knapp 200 Kinder zu erschrecken, die in langen Schlangen auf Einlass warteten.

Die Schlange hörte nicht auf Teilweise sind die Kinder auch bis zu fünf mal reingegangen

Ich verkleidete mich nicht sonderlich viel, da ich als schreiendes Opfer auf einem Operationstisch lag und mir von einem wildgewordenen Metzger 200 Mal die Leber entnommen wurde. Es gab einige Kinder, die dadurch ganz schlimm anfingen zu weinen!

Da wurde mir mal wieder die Leber rausgenommen Ich finde den Gesichtsausdruck von dem Kleinen so klasse....

Am Ende hatte ich vom Zappeln und Schreien blaue Flecken, Muskelkater und keine Stimme mehr, aber es hat sich für die Kinder auf jeden Fall gelohnt, denn es war wirklich richtig gruselig!

 Die Gruselbande im Gruppenfoto, wer ich bin kann man an der Körpergröße erkennen

02November
2015

Todos Santos (Allerheiligen)

Allerheiligen ist hier ein wichtiger Feiertag, und da der 1. November auf einen Sonntag fiel, war heute, Montag, frei.

Es gibt ganz bestimmte Bräuche und Traditionen, mit denen hier dieses Fest gefeiert wird. Am Sonntag sind die Leute auf den Friedhof gegangen und haben dort zu Ehren der Toten sehr viel Alkohol getrunken.

Heute wurde dann in den Familien, in denen im letzten Jahr jemand gestorben ist, eine Feier veranstaltet. Für den Toten wird ein riesiger Schrein aufgebaut mit einem Foto, Blumen und Gebäck. Davor beten dann die ca. hundert Leute, die eingeladen wurden oder das Zeichen an der Tür gesehen haben, ob sie den Toten kannten oder nicht. Dann bekommen sie alle einen Teller Mondongo, ein super leckeres Gericht aus Schweinefleisch und Aji, einer pikanten Chillisoße die hier zu fast jedem Gericht gehört, mit Mote, einer Art Maisbrei aus ganzen, großen Maiskörnern.

Riesentöpfe mit Mote und Mondongo

Anschließend werden die Gäste mit allen möglichen alkoholischen Getränken abgefüllt oder man zieht weiter zum nächsten Haus.

01November
2015

Tour Salar de Uyuni und Co., Teil III

[Teil I findet ihr viiiiiel weiter unten]

Heute, am letzten Tag unserer Tour, standen wir schon um halb 5 auf, um im Sonnenaufgang an den Geysiren, (passenderweise) „Sol de la Mañana“ genannt, anzukommen.

Mit Lena vor einem der Vulkane an der Laguna Verde  Einer der Geysire Sol de la Mañana

Es war ziemlich feucht am Geysir...

Bei Minusgraden war der warme Dampf ziemlich angenehm!

Anschließend ging es, nach einem Bad in einer heißen Thermalquelle, zurück nach Uyuni, um von dort mit dem Bus nach diesem großartigen langen Wochenende nach Sucre zurückzukehren, was vor allem auch wegen der anderen Freiwilligen so unglaublich viel Spaß gemacht hat.

In dem unglaublich angenehm warmen Thermalwasser

Vincent hat von den drei Tagen ein tolles Filmchen zusammengestellt, da er die ganze Zeit mit seiner GoPro am Filmen war. Es lohnt sich:

31Oktober
2015

Tour Salar de Uyuni und Co., Teil II

Heute ging es in den allertiefsten Süden Boliviens. Morgens fuhren wir vorbei an erloschenen und aktiven Vulkanen, Steinwüsten und einigen Lamas und Vicuñas, einer kleineren Lamaart.

Einer der rauchenden, aktiven Vulkane

Noch ein Gruppenbild...

Steinwüste

Sprungbild in der Steinwüste

Vicuñas, eine Lamaart

Noch mehr Vicuñas

 

An der Grenze zu Chile machten wir Halt an einem alten Grenzbahnhof.

Grenzbahnhof an der chilenischen Grenze

Dann ging es weiter zu den Hochlandlagunen, die von Millionen von Flamingos bevölkert werden. Das wirkt besonders merkwürdig, da diese Flamingos, die ich bisher nur aus tropischen Ländern kannte, hier bei ordentlichen Minusgraden überleben.

An einer der Hochlandlagunen auf 4000m

 

Mittagessen nahmen wir dann mit tollem Ausblick auf eine der Lagunen zu uns, dabei wurden wir von einem Viscacha besucht, einer Art Hase mit langem Schwanz.

Mittagessen mit tollem Ausblick

Ein Viscacha zwischen den Steinen

Auf dem Jeepdach nach dem Mittagessen

Abends ging es dann zur Laguna Colorada, die aufgrund von Algen rot gefärbt ist. Dort liefen außer Flamingos auch einige Lamas rum.

An der Laguna Colorada

Lamajagd

30Oktober
2015

Tour Salar de Uyuni und Co., Teil I

Gestern um halb 8, direkt von der Arbeit kommend, ging es mit dem Fernbus um 20:30 Uhr über Nacht los. Heute Morgen kamen wir dann um 4:00 Uhr in Uyuni an. Uyuni ist eine wirklich hässliche und langweilige Stadt, die nur deshalb so bekannt ist, weil sie am gleichnamigen größten Salzsee der Welt liegt. Dort wurden wir von ordentlichen Minusgraden begrüßt und verbrachten knappe drei Stunden damit, uns eine Agentur auszusuchen, mit der wir die nächsten drei Tage eine Tour machen würden. Wir machten uns deshalb so viel Mühe, da überall Leute von betrunkenen Fahrern, kaputten Autos, schlechtem Essen, zu wenig Getränken, usw. berichteten und wir das natürlich vermeiden wollten. Im Endeffekt haben wir dann Salty Desert Tours ausgesucht, was die absolut richtige Entscheidung war!

Um halb 10 ging es dann los mit unserem Fahrer und Führer José im Toyota Landcruiser Jeep.

Jetzt geht's los mit unserem Führer José!

Erster Halt war an einem Eisenbahnfriedhof, auf dem alte Loks und Züge vor sich hin rosteten.

Joshua, der Lokomotivführer

Gruppenbild auf ganz viel Rost

Leider waren hier deutlich zu viele Touristen. Es war ein komisches Gefühl, so viele Weiße auf einem Haufen zu sehen.

Der Selfiestick darf zur vollen Touri-Experience nicht fehlen!

Dann ging es endlich auf den Salar de Uyuni. Vor vielen tausend Jahren ist hier ein riesiger urzeitlicher See ausgetrocknet und hat eine dicke Salzkruste hinterlassen, dessen Anblick einem den Atem nimmt. Zunächst sahen wir ein paar blubbernde Löcher, die „Augen des Salar“, in denen ein bisschen Wasser in der Salzwüste stand.

Vincent und ich an den „Augen des Salars

Anschließend aßen wir in einem vollständig aus Salz gebauten Hotel mitten auf dem Salar zu Mittag. Hier führte übrigens letztes Jahr die Ralley Dakar vorbei.

Wir sechs am Dakar-Salzblock

Dann machten wir auf der Salzfläche Hunderte von Fotos.

*Hust*

Pringlesdose

 

Unsere Reisegruppe, bestehend aus Natalie, Vincent, Mira, Lena, mir und Jelka:

Gruppenbild im weißen Nichts

Das könnte auch ein Werbefoto sein, finde ich...

Wie gesagt, wir haben seeeehr viele Fotos gemacht

Dann ging es auf die Isla Incahuasi, die über und über von Kakteen bewachsen ist. Die Insel ist ein irrer Kontrast zur Salzfläche, auf der kein einziges Lebewesen lebt.

Vincent und ich auf der Isla Incahuasi

Kakteen auf der Isla Incahuasi

 

Bevor wir am Rand des Salars in einem Haus übernachteten, das komplett aus Salz gebaut war, besichtigten wir noch eine Höhle und versteinerte Korallen aus Urzeiten, als der Salar noch ein richtiger See war.

Versteinerte Korallen

25Oktober
2015

Festival Autóctono und Bolivianische Hochzeit

Gestern war ein Festival des Wiñay, in dem die Kinder aller Altersgruppen die insgesamt 17 bolivianisch-folkloristischen Tänze aufgeführt haben, die sie im Verlaufe des Jahres gelernt haben. Es war ein toller, bunter Abend, an dem ich leider fast keine Fotos machen konnte, da ich die ganze Zeit die Veranstaltung gefilmt habe und leider keine Videos hier hochladen kann. Beendet wurde der Abend mit einem Panflötenensemble, bei dem ich auch mitgespielt habe. Ihr könnt euch hoffentlich ungefähr vorstellen, wie schauerlich das insgesamt klang. Als Rausschmeißer hat es aber gut funktioniert.

Gruppenfoto beim Festival Autóctono

Danach bin ich noch von Armando aus dem Wiñay auf eine Hochzeitsfeier eingeladen worden. Armando kannte das Brautpaar selbst nicht, kannte aber einen Freund des Bassisten der Band. So kam ich in den Genuss einer ganz besonderen Erfahrung.

Eine bolivianische Hochzeit geht drei Tage. Samstags ist die Trauung, sonntags gibt es Geschenke und ganz viel Chicha (ein typisch bolivianisches Maisbier) und am Montag wird einfach bis spät in die Nacht weitergefeiert. Ich habe leider nur den ersten Tag gesehen. Es gab unfassbar laute Livemusik und vor allem extrem viel und natürlich kostenlosen Alkohol. Für mich war es extrem schwierig, mich nicht komplett abzuschießen, da ich als einziger Weißer von allen auf Drinks eingeladen wurde, die ich nicht ablehnen konnte, ohne extrem unhöflich zu sein. Schon als ich kam, waren fast alle Leute sturzbesoffen und manche mussten teilweise von Sicherheitskräften rausgeführt werden. Spätestens, als gegen einen Feiergast Pfefferspray eingesetzt wurde, wäre die Party in Deutschland endgültig vorbeigewesen, doch hier ging sie nach ein paar Minuten Husten und Augentränen munter weiter. Leider war mein Handyakku leer, sonst hätte ich euch Fotos zeigen können, zum Beispiel dass die Bolivianer in Reihen, sich gegenüber stehend, tanzen, was ein sehr lustiger Anblick ist.

18Oktober
2015

Doch, man spürt die Höhe!

Heute haben wir uns auf fast 4000m Höhe gewagt. Morgens um halb 5 ging es im Dunkeln los. Zunächst über ein paar Trampelpfade, dann nur noch querfeldein. Angefangen haben wir auf 3200m, um dann hochzusteigen auf 4000m. Da mussten wir unter anderem hoch: Genau da mussten wir hoch!

Teilweise ging es nur mit Klettern weiter...

Mit Jelka, Mira und Natalie

Auf dieser Höhe auf einem Andengipfel zu stehen ist einfach nur großartig!

Oben auf dem Gipfelplateau

Ich, alleine ganz oben!

Die phänomale Aussicht ins Andental

Anschließend stiegen wir auf der anderen Seite wieder hinab, um teilweise sogar über einen richtigen Wanderweg zu unserem eigentlichen Ziel, den Inkamalereien von Inkamachay und Pumamachay zu gelangen.

Pumamachay:  Die Inkamalereien von Pumamachay Ein kleines Stück richtiger Weg

Wenn man davon überzeugt ist, dass es sich um originale Wandmalerien handelt, ist es sicherlich faszinierend, diese Reste der Inkakultur zu besichtigen. Da ich jedoch sehr stark das Gefühl hatte, dass die Bolivianer hier mit Baumarktfarbe und Graffiti in den 50er Jahren Figuren an die Wand geklatscht hatten, da die Einheimischen selbst die Malereien nicht kennen und keinerlei geschichtlicher Hintergrund zur Verfügung steht, konnte ich nicht wirklich daran glauben. Mit Phantasie ist es aber natürlich trotzdem spannend.

Als Gemälde vor dem Gemälde posieren

Für mich war vor allem der Weg atemberaubend schön, aber nach knapp 12 Stunden Wanderung waren wir alle fix und fertig.

Ein kleines Blümchen oben auf dem Gipfel zwischen den kargen Steinen

Gipfelstürmer...

17Oktober
2015

Das kleine Paradies Cajamarca

Cajamarca ist ein Aufforstungssprojekt, das mitten in den Bergen um Sucre aus einer trockenen Steinwüste einen riesigen Pinienwald gemacht hat. Gegründet wurde es vor mehr als 20 Jahren von Jelkas Oma Annelie Dehmel und mittlerweile hat es sich zu einem Ausflugsziel und Jugendbildungsort entwickelt, in dem auch schon Seminare des Wiñay stattgefunden haben. Für ihr Engagement hat Annelie Dehmel auch schon einige Preise eingeräumt. Instandgehalten wird es auch von Freiwilligen, die hier jedes Jahr arbeiten. Cajamarca ist ein kleines Paradies und steht im kompletten Kontrast zu Sucre. Es gibt im Gegensatz zu Sucre Bäume, Wasser und es ist sauber und müllfrei. Nachdem wir auf der Ladefläche von einem Pickup (macht sehr viel Spaß und ist hier völlig normal) hierher gefahren sind und jetzt gekocht haben, übernachten wir heute in einem der Häuser des Projekts, um dann morgen in aller Frühe loszuwandern!

Fahren auf der Ladefläche in Sucre Improvisiert, aber sehr lecker! Eines der kleinen Häuser in CajamarcaKurz vor Cajamarca

17Oktober
2015

Tote Babys und ganz viele alte Pötte

Gestern war Museumsnacht, alle Museen hatten kostenlos die ganze Nacht geöffnet. Interessant war das Anatomiemuseum, das konservierte Babyföten ausstellte. Nichts für schwache Nerven!

Ausgestellte, konservierte Babyföten

Weniger interessant war das Museum der Inkakulturen, das mehr oder weniger nur alte Tongefäße ausgestellt hatte.

15Oktober
2015

Kein Wasser

Die letzten drei Tage gab es kein Wasser.

Vor etwa einer Woche ist bei starkem Regen die Hauptwasserleitung nach Sucre gebrochen und dann sind die Leitungen der Stadt von oben nach unten langsam ausgetrocknet. Im Zentrum gab es noch Wasser, hier oben aber lag alles trocken. Das heißt keine Dusche, keine Klospülung, keine Wäsche und keine Hände oder Gesicht waschen. Zwar hat fast jedes Haus hier einen kleinen Reservetank, aber der ist eigentlich nur fürs Nötigste, das Kochen, gedacht. Ich habe so etwas natürlich noch nie erlebt und es ist wirklich unfassbar, wie wichtig Wasser wird, wenn man es nicht hat. Vor allem die kleinen Dinge, wie das Hände waschen nach der Toilette, wurden mir plötzlich extrem wichtig.

Keiner konnte sagen, wann es wieder Wasser gäbe, je nachdem, wen man fragte, schwankten die Schätzungen zwischen morgen und zwei Wochen. Zum Glück gibt es seit heute Morgen wieder Wasser und es war großartig, endlich wieder duschen zu können.

15Oktober
2015

Visum endlich fertig!

Montag mussten wir zum letzten Mal in die Stadt, um unsere Visumssachen zu erledigen. Es war wie immer komisch, als Ausländer eine Sonderbehandlung zu genießen und an allen Bolivianern vorbei zu gehen, um ohne zu warten unserer Papiere abholen zu können.

 Lange Schlange bei SEGIP, einer Art Einwohnermeldeamt

Jetzt, nach einem Monat Behördenlaufen, sind wir nun endlich fertig mit unseren Visa und haben nun unsere bolivianischen Pässe ausgehändigt bekommen:

Mein bolivianischer Pass

15Oktober
2015

Sonntagsausflug II

Letzten Sonntag war wieder ein Ausflug dran, aber diesmal nicht vom gesamten Wiñay, sondern die Jugendlichen aus Bartolina hatten eine Ausfahrt nach Las Palmas organisiert, ein Dorf mit Fluss, das dadurch, dass es deutlich tiefer als Sucre liegt, bei den Einheimischen durch sein feuchteres und angenehmeres Klima und seinen Fluss, den Rio Palmas, sehr beliebt ist.

Ein Plätzchen im Schatten

Früh morgens ging es los. Dieses Mal hatten sich die Mädchen aus der Gruppe um das Essen gekümmert und ich staunte nicht schlecht, als für den Tagesausflug ein kompletter Grill, Töpfe, Geschirr und ein Zelt in das Micro gestopft wurden. Nachdem wir in Palmas ankamen wurde sofort angefangen, das Essen zuzubereiten. Zum Reis kochen und Salat waschen wurde das Flusswasser genommen und bald lagen Unmengen von in Soyasauce, Papaya, Zitronensaft und Salz marinierte Koteletts auf dem Grill, die richtig lecker schmeckten.

Mittagessen auf dem Grill

Dazu Chorizo, Reis, Kartoffeln und Salat, den Rest für die Hunde, die sich ausschließlich von den Resten der Wochenendausflügler ernähren. Danach gingen wir Baden.

Mit den Jugendlichen aus Bartolina im Wasser Wasser!

Als einer der Betreuer am Anfang sagte, Alkohol sei nicht verboten, doch sie sollten doch bitte verantwortungsvoll damit umgehen, dachte ich mir nicht viel dabei, denn die Jugendlichen sind alle ungefähr mein Alter. Nachdem jedoch manche Jungen es mit Tequila-Cola, Bier und typisch bolivianischem Maisbier, Chicha, ziemlich übertrieben hatten, war die Heimfahrt ziemlich unangenehm. Trotzdem war es insgesamt ein schöner Tag, vor allem, um die Jugendlichen aus Bartolina besser kennenzulernen.

Was mich jedoch wirklich gestört hat, war, dass nach dem Essen der Großteil des Abfalls, auch Plastikschalen, heiße Kohle und Löffel einfach in die Büsche geschmissen wurden. Der Umgang mit Müll kotzt mich hier wirklich an und ist ein Riesenproblem. Gerade an einem so schönen Ort wie Palmas finde ich das unerträglich.

Rio Palmas

15Oktober
2015

Sonntagsausflug I

Letzte Woche Sonntag haben wir einen Ausflug nach Punilla gemacht, ein so gut wie unbewohntes Stück Natur mit Flüsschen im Norden von Sucre. Morgens um 8 Uhr waren wir verabredet, um 9 Uhr (so ist das bolivianische Zeitverständnis) haben wir uns dann zusammen mit den älteren Kindern aus Canadá und Bartolina und den Betreuern in einem gecharterten Micro auf den Weg gemacht. Bei herrlichem Sonnenschein kamen wir dann in Punilla an und verbrachten einen entspannten Tag mit Gruppenspielen, Spaziergängen, Baden gehen und im Schatten chillen.

Spiel im Kreis in Punilla

Als mittags dann jeder sein mitgebrachtes Essen auspackte, bekam ich mitleidige Blicke. Wie ich es aus Deutschland kenne, hatte ich mir Brote geschmiert und ein paar Früchte eingepackt. Die Bolivianer hingegen waren das deutlich professioneller angegangen und hatten sich komplette Gerichte mit Fleisch, Reis und Salat mitgenommen. Es war ein toller Tag, vor allem war es schön, Vegetation zu sehen, die es hier in Sucre leider überhaupt nicht gibt.

Lustig war, dass wir beim Spazieren gehen von einer alten Frau, die nur Quechua sprechen konnte, mit Steinen beworfen wurden. Wie sich später herausstellte, dachte sie, dass wir ihr das Wasser verschmutzen, was sie für ihre Pflanzen braucht. Dass weiter flussaufwärts aber Leute ihre Autos und Wäsche im Flüsschen wuschen, war ihr wohl egal.

02Oktober
2015

Quechua und Aymara

In Bolivien gibt es drei Amtssprachen: Spanisch, Aymara und Quechua. Aymara und Quechua sind zwei Sprachen, die sich im Laufe der Jahrtausende auf dem südamerikanischen Kontinent entwickelt haben und deshalb nicht, wie man es zum Beispiel aus Europa kennt, an Landesgrenzen Halt gemacht haben. Deswegen wird Quechua in einer Zone von Kolumbien über Ecuador, Bolivien, Peru bis in den Norden von Chile und Argentinien gesprochen und Aymara in der Hochebene rund um La Paz, Oruro und in weiten Teilen Perus. In meiner Region wird Quechua gesprochen. Einerseits gibt es viele Leute, vor allem ältere Leute auf dem Land, die kein Spanisch verstehen, doch vor allem vertreibt das durch die Kolonialisierung „aufgezwungene“ Spanisch langsam, aber sicher die indigenen Sprachen.

Für mich ist es total spannend, Quechua zu hören, da es überhaupt nichts mit den Sprachen zu tun hat, die ich gewohnt bin. Alle Sprachen, die ich bisher kennengelernt habe, waren irgendwie miteinander verwandt, da sie mehr oder weniger alle aus dem Lateinischen oder Griechischen entsprungen waren. Quechua jedoch ist eine so unglaublich andere Sprache, dass es für mich unmöglich erscheint, sie zu lernen. Deshalb haben auch viele Kinder hier, die einsprachig Spanisch aufgewachsen sind und in der Schule Quechua lernen müssen, ziemliche Probleme. Besonders Quechua schreiben ist extrem schwer, da diese Sprache jahrtausendelang keine Schrift besaß, und erst 1975 eine einigermaßen einheitliche Rechtschreibung vereinbart wurde. Im Wiñay sprechen einige Kinder zu Hause Quechua, und vor allem die Mütter fühlen sich oft im Quechua wohler. Trotzdem läuft der Großteil der Alltagskommunikation auf Spanisch ab. Im Deutschen kennt man die Wörter Inka, Alpaka, Lama, Coca, Kondor, Mate, Puma, Quinoa und Pampa, die aus dem Quechua übernommen wurden, womit man schon eine gute Sammlung südamerikanischer Stereotypen zusammengetragen hätte.

Ich möchte unbedingt ein bisschen Quechua lernen und kann bisher schon bis 10 zählen, „Ja“ und „Nein“ sagen, „Wie geht es dir?“ fragen und „Mir geht es gut“ antworten. Ich hoffe, dass mir meine Gastmutter noch einiges mehr beibringen wird. Schwierig wird das auf jeden Fall, denn schon so ein simples Wort wie „Danke“ heißt hier „dyuspagrasunki“. „Bitte“ ist deutlich einfacher: „Ama hina kaspa“. Na toll.

02Oktober
2015

Wiñay

Ich arbeite jetzt seit zwei Wochen im Wiñay und glaube, dass ich so langsam eine ganz gute Vorstellung davon bekommen habe, wie ich dieses Jahr im Projekt verbringen werde. Das wird jetzt wahrscheinlich ziemlich viel Text, ich versuche es, ein bisschen aufzuteilen, ihr könnt euch ja das raussuchen, was euch interessiert:

Was ist das Wiñay?

Das Wort Wiñay kommt aus dem Quechua und bedeutet „Wachsen“. Das Projekt besteht aus drei Zentren in den Stadtvierteln Barrio Canadá, Horno K’hasa A und Bartolina Sisa, in die jeden Tag Kinder und Jugendliche kommen.

Wiñay Barrio Canadá:

Hier findet der Großteil statt. Kinder zwischen 3 und 5 Jahren bekommen eine zweistündige Kindergartenbetreuung, Kinder zwischen 6 und ungefähr 16 erhalten Hilfe bei ihren Hausaufgaben. Darüber hinaus gibt es verschiedene Kursangebote wie Tanzen, Kunst oder einen Backkurs. Außerdem gehen die Kinder auf einen kleinen Sportplatz (Cancha) und es gibt ein (ziemlich ramponiertes, aber viel genutztes) Bücherangebot. An Wochenenden finden oft Ausflüge und Kulturangebote statt. Das Wiñay Canadá öffnet um drei Uhr für die kleinen Kinder und schließt etwa um neun Uhr abends für die älteren.

Wiñay Horno K`hasa A:

Im etwas weiter entfernten Stadtteil Horno K’hasa liegt ein weiteres Zentrum, das zwischen drei und fünf Uhr täglich eher jüngeren Kindern Hausaufgabenhilfe bietet. Dieser Wiñaystandort scheint mir ein wenig vernachlässigt zu werden, da die Kinder deutlich weniger Freizeitmöglichkeiten haben. Allerdings ist auch das Viertel ein bisschen ärmer, es wird mehr Quechua gesprochen und die Kinder haben deutlich mehr Schwierigkeiten mit ihren Schulaufgaben. Außerdem sind sie auch, was Kleidung oder Hygiene angeht, stärker vernachlässigt.

 Der Saal in Horno K'hasa A

Wiñay Bartolina Sisa:

Im dritten Stadtviertel Bartolina Sisa findet abends eine Art Jugendtreff statt. Zwischen 19:30 und etwa 22:00 Uhr treffen sich Jugendliche ab ungefähr 15 Jahren, musizieren gemeinsam, machen Hausaufgaben, schauen Filme, spielen Fußball oder quatschen einfach.

Meine Aufgaben:

Den Großteil meiner Zeit verbringe ich im Barrio Canadá und damit, den Kindern bei ihren Hausaufgaben zu helfen. Montags arbeite ich eine Stunde mit den ganz Kleinen, abends backe ich mit den 11- bis 15-jährigen, dienstags mache ich mit den kleinen Kindern einen Rhythmusworkshop, außerdem gehe ich mit den Kindern auf die Cancha. Mittwoch bis Freitag bin ich zunächst in Horno K’hasa, anschließend in Canadá. Dienstag bis Freitag verbringe ich die Abende in Bartolina Sisa. Dort findet dienstags, zusätzlich zum normalen Programm von Hausaufgabenhilfe und Freunde treffen, für die Jugendlichen eine Art Videoproduktions-Workshop statt. Mittwochs gibt es einen Tanzkurs und ich werde mit den Jugendlichen Fußball und andere Spiele spielen. Donnerstags wird Musik gemacht, und ich möchte dort unbedingt Zampoña, also Panflöte lernen. Freitags treffen sich immer die Jugendlichen aus Canadá und Bartolina, um zusammen etwas zu unternehmen. An den Wochenenden helfe ich bei allen möglichen Aktivitäten mit, nächsten Sonntag steht zum Beispiel ein Naturausflug an. Zusätzlich zu diesen Aufgaben mache ich oft sauber, repariere kleine Dinge und spitze Stifte. Es sind oft kleine Dinge, die anfallen und Zeit fressen. Am wichtigsten ist wahrscheinlich, dass ich für die Kinder da bin, mit ihnen rede, auf sie aufpasse und ihnen Zuneigung gebe. Umarmen, hochheben und sie im Kreis drehend „Fliegen“ lassen, gehört zu jedem Tag dazu. Mir macht die Arbeit wirklich Spaß, die Kinder sind alle richtig klasse und ich habe, außer vielleicht in Bartolina bisher, wirklich das Gefühl, nützlich zu sein und etwas Gutes zu tun.

Kunstprojekte der Kinder Puppentheater Tanzaufführung der Kleinen

Mit wem arbeite ich zusammen?

Natalie: Meine deutsche Mitfreiwillige, mit der ich mich super verstehe. Sie hat ähnliche Aufgaben wie ich, macht aber vor allem mehr mit Kunst und setzt natürlich etwas andere Schwerpunkte als ich. Wir tauschen uns viel aus, was uns beiden gerade jetzt am Anfang sehr gut tut.

Hilda: Unsere Chefin, die den totalen Überblick hat und den ganzen Tag komplett beschäftigt ist. Es ist unglaublich, wie viel sie für das Wiñay tut. Uns gegenüber ist sie im Grunde nett, wirkt manchmal aber recht streng. Ich hoffe, sie taut noch ein wenig auf.

William: Bolivianischer Mitfreiwilliger in Canadá, sehr nett und kommunikativ, hilft mir bei vielen Fragen.

Vanessa: Arbeitet mit den ganz kleinen Kindern in Canadá, auch sehr nett.

Rocio: Ziemlich stille Mitarbeiterin, geht mit mir immer freitags nach Horno K`hasa.

Pamela: Gastschwester von Jelka (Mitfreiwillige), ist für die Tanzkurse zuständig und macht das bewundernswert gut. Die Kinder in ihren Tanzkursen haben nicht nur Spaß, sondern es auch absolut drauf!

Moises: Zuständig für Bartolina, ein sehr schwieriger Charakter, mit dem ich wahrscheinlich ein paar Probleme haben werde.

Andrea: Ehemalige kanadische Freiwillige, der es im Wiñay so gut gefallen hat, dass sie jetzt hier wohnt. Dabei hat allerdings auch die Liebe mitgespielt, sie ist mit Moises zusammen. Jetzt ist sie gerade in Kanada und besucht ihre Familie. Andrea macht vor allem Kunst mit den Kindern.

Armando: Zuständig für Horno K`hasa, ein klasse Typ.

Dann gibt es noch Gabi und Ximena, die Zahnärztin. Die ist auch dringend nötig, da die Kinder unfassbar schlechte Zähne haben. Kein Wunder, denn hier hat fast alles Zucker und Zähne putzen scheint hier nicht so wichtig zu sein.

Mein erster Eindruck vom Wiñay:

Das Wiñay ist ein unglaublich lebendiger Ort. Es ist extrem laut, überall sind Kinder und ich werde viel umarmt und bequatscht. Ich denke, dass es wirklich ein tolles Angebot für die Kinder ist, was auch von den allermeisten im Barrio angenommen wird. Nicht nur die schulische Unterstützung, sondern vor allem das Freizeit- und Kulturangebot ist unglaublich vielfältig und wertvoll und die Arbeit macht mir meistens wirklich viel Spaß.

Dennoch ist natürlich nicht alles schön. Bisher habe ich noch damit zu kämpfen, dass alle Freiwilligen sich abends und an Wochenenden treffen können, nur ich ständig arbeiten muss. Außerdem wurden uns, im Gegensatz zu vorherigen Freiwilligen, enorm Urlaubstage gekürzt.

Auch die Arbeit hat ihre nicht so schönen Seiten.

Oft ist die Hausaufgabenhilfe sehr monoton und an die ganz andere Arbeitsweise mit den Jugendlichen in Bartolina muss ich mich erst noch gewöhnen. Herausfordernd ist auch, allen Kindern Aufmerksamkeit zu geben, denn ich merke, dass ich langsam einige Lieblingskinder habe.

Dazu kommt noch ein anderer Punkt. Viele Kinder sind sehr ungepflegt, stinken, haben miese Zähne und zerrissene, dreckige Kleidung. Immer wieder höre ich auch, unter was für Lebensbedingungen die Kinder ihren Alltag bestreiten. Das beschäftigt mich sehr. Umso wichtiger ist es, dass sie im Wiñay diese Unterstützung bekommen.

Im Wiñay Canadá

01Oktober
2015

Was ich die letzten zwei Wochen so gemacht habe...

Ich bin jetzt schon etwas mehr als zwei Wochen in Sucre, und habe mich mittlerweile eingelebt und mir geht es richtig gut. In den letzten Tagen habe ich noch mehr von Sucre gesehen, das Wiñay besser kennengelernt und mich an vieles gewöhnt, was mir bisher noch fremd war.

Tagsüber habe ich jetzt unter der Woche die meiste Zeit im Wiñay verbracht, und es macht mir viel Spaß. Ich werde bestimmt auch bald Zeit finden, über das Projekt zu berichten! Ansonsten habe ich noch ein paar Visa-Sachen erledigen müssen und mich viel mit den anderen Freiwilligen getroffen.

Regelmäßig gibt es hier nun abends plötzlich starke Gewitter, besonders letzten Dienstag. Als ich ins Bad ging zum Zähne putzen, fing es gerade an zu regnen, und nach fünf Minuten stand ich im Dunkeln, da das Gewitter die komplette Stromversorgung lahmgelegt hatte. Danke an Lorenz für das tolle Bild:

  Ausblick auf Sucre von Villa Armonía aus im

Am Wochenende feierten wir Freitagabend die Geburtstage von Lorenz und Lena (zwei Freiwillige). Samstag habe ich mit Jelka und Natalie (falls ich die beiden noch nicht erwähnt habe, zwei andere Freiwillige), eine Wanderung auf den Cerro Churuquella, einen der beiden Stadtberge gemacht. Zunächst sind wir auf die Recoleta gegangen, auf der ein Kloster mit Marktplatz und fantastischem Ausblick steht. Dort hat Samstag die jährliche Regionalausstellung meines Departamento Chuquisaca stattgefunden, auf der typische Tänze und Musik, traditionelles Kunsthandwerk und regionale Spezialitäten auf uns warteten. Ich hätte noch gerne mehr Zeit gehabt, um mich durch die verschiedenen Stände mit extrem leckerem Chorizo Chuquisaqueño, einer regionalen Wurstspezialität, durchzufuttern. Leider wollten meine beiden Kolleginnen aber vor dem Sonnenuntergang auf den Cerro Churuquella, weshalb ich mich schweren Herzens von der Recoleta losreißen musste.

Nach einem ziemlich anstrengenden Aufstieg, bei dem man die Höhe deutlich spürte, wurden wir von einem tollen Ausblick auf die Stadt unter uns und auf die umliegenden Bergketten belohnt. Nach etwa einer halben Stunde ging dann die Sonne unter und es wurde ziemlich schnell kalt, deswegen machten wir uns wieder auf den Rückweg.

 

AufstiegSelfie vor Jesus Sonnenuntergang genießen

Jeden Sonntagabend mache ich jetzt einen Tanzkurs, in dem ich mit anderen Freiwilligen zusammen bolivianische Folkloretänze lerne. Das macht super Spaß, ist aber ziemlich schwierig und anstrengend. Bisher sehe ich dabei noch aus wie der letzte Depp, aber ich hoffe, dass sich das mit der Zeit bessert. Dann kann ich mich auch trauen, ein paar Fotos davon zu zeigen!

Sonntagnacht ist dann in meiner Familie etwas sehr Spannendes passiert: Die Katze Evo Original hat drei kleine Kätzchen geboren! Meine Aufgabe ist es jetzt, im Wiñay ein neues Zuhause für die kleinen Dinger zu finden, damit meine Gastmutter sie nicht ertränken muss!

Familiennachwuchs von Evo Original

Gestern haben wir uns dann die Mondfinsternis angeschaut, die hier zur besten Zeit um 22:47 ihr Maximum erreicht hatte. Die Straßenhunde waren dabei auffällig still, ich wünschte, das wäre jeden Tag!

01Oktober
2015

Wahltag

Am Sonntag, den 20.9.15, waren in ganz Bolivien Wahlen. Das bedeutete den Ausnahmezustand für das ganze Land. Abgestimmt wurde in einem Referendum über das sogenannte Estatuto Autonómico, ein Gesetzespaket ähnlich einer neuen Regionalverfassung, jeweils für die neun bolivianischen Departamentos. In Bolivien herrscht Wahlpflicht, das heißt, die Leute müssen eine Strafe zahlen und ihnen werden Banktransfer- und staatliche Leistungen verweigert, wenn sie keine Stimme abgeben. Das ist befremdlich, da viele Menschen schlicht nicht die Möglichkeit haben, wählen zu gehen, da sie dafür in ihren Heimatort fahren müssen. Dazu kommt, dass am Wahltag ab 0:00 Uhr kein Fahrzeug ohne Sondergenehmigung unterwegs sein darf, sodass sonntags nur Fahrräder und Fußgänger in den Straßen zu finden waren.

Die autofreie Avenida Circumvalación

Informationen über die Abstimmung waren nur sehr schwierig zu bekommen. Meine Gastfamilie hatte so gut wie keine Ahnung, über was eigentlich abgestimmt wurde, und gerade die Landbevölkerung, die oft nicht alphabetisiert ist, konnte nur das Wenige wissen, dass das Staatsfernsehen vorgibt. Deswegen habe ich immer noch nicht verstanden, was für Auswirkungen das Referendum hat. Mittlerweile ist klar, dass Präsident Evo Morales eine Niederlage einstecken muss, da die Mehrheit der Bevölkerung mit Nein gestimmt hat, trotz ausgefeilter Wahlwerbung in fast jeder Straße:

 

Für mich war der Wahltag eine tolle Erfahrung, da nicht nur diese Demokratieform so anders ist, sondern auch die Stadt einen Tag lang Kopf stand. Am Wahltag durfte ab Samstag kein Alkohol verkauft oder getrunken werden, Ansammlungen von Menschengruppen waren verboten, und es gab keine Autos oder Motorräder. Diese gerade im Zentrum notorisch versmogte Stadt mit ihrem Lärm und ihrem chaotischen Verkehr zeigte sich Sonntag von einer ganz anderen Seite. Überall in den Straßen spielten Kinder, trafen sich Leute, fuhren Fahrräder und hier im Barrio standen Tischkicker, an denen die Jugendlichen sich die Zeit vertrieben. Junge und alte Sucrenses veranstalteten Fußballturniere mitten auf der Hauptstraße. Ich würde mir wünschen, dass ich diese Atmosphäre öfter erleben könnte. Das nächste Mal autofrei findet im August statt, am landesweiten Día del Peatón, dem Tag des Fußgängers.

28Sept
2015

Müll

Ich habe noch nie so viel Müll gesehen wir hier! In den Straßen, aber vor allem in den Abschnitten zwischen den Vierteln, liegt überall Müll. Die einzigen, die sich über den ganzen Abfall freuen, sind die Schweine, Hunde und andere Tiere, die im Müll ihr Essen finden:

Schafe und Ziegen, die sich vom Müll ernähren (Horno K'hasa)

Am Anfang habe ich gedacht, man könnte mit den Kindern eine Aufräumaktion starten, an dessen Ende man das beste Müllsammlerteam kürt. Mittlerweile habe ich gemerkt, dass das keinen Sinn macht. Bei den Mengen würden Tonnen an Plastik und Dreck zusammenkommen, die niemals entsorgt werden könnten. Es ist schlicht so viel Abfall, dass es nicht möglich ist, aufzuräumen.

Überall liegt Abfall herum

28Sept
2015

Gesellschaftsschichten

Ich habe in den letzten Tagen viel über das nachgedacht, was ich gesehen und gehört habe. Bedrückt hat mich vor allem, wir unfair die Gesellschaft aufgebaut ist. Die mit Abstand größte Schicht in der Stadt ist die, in der ich hier lebe. Was in Bolivien eine arbeitende Mittelschicht ist, wäre vom Lebensstandard her in Deutschland Unterschicht. Trotzdem scheinen die Leute einigermaßen zufrieden. Andererseits gibt es eine sehr reiche Oberschicht, die in geschlossenen Wohnvierteln getrennt vom Rest der Gesellschaft lebt. Viel schlechter geht es dagegen den Leuten auf dem Land. Die fast ausschließlich indigene Landbevölkerung hat normalerweise keinen Zugang zu Leitungswasser, Kanalisation, medizinischer Versorgung, Internet oder Handynetz. Außerdem kann 40% der Bevölkerung nicht lesen, was sich auf dem Land je nach Region fast verdoppelt.

Doch auch in der Stadt gibt es Elend. Es sind immer nur kleine Beobachtungen, die mich jedoch sehr betroffen machen. Wenn ich in der Stadt von Kindern und sehr, sehr alten Frauen und Männern angebettelt werde, wenn nachts mitten auf der Straße ein bewusstloser Mann in seinem eigenen Urin liegt und kein Mensch für ihn anhält, wenn kranken Kindern im Krankenhaus lebenswichtige Behandlungen verweigert werden, weil sie die Kosten nicht zahlen können oder wenn kleine Mädchen nicht mehr ins Wiñay kommen, weil sie schwanger sind, dann merke ich, wie hässlich dieses wunderschöne Land mit seiner bunten und offenen Kultur auch sein kann. Umso toller ist es zu sehen, wie das Wiñay eine lebendige und positive Umgebung für die Kinder bietet, in der sie alle gleich sind und ihr familiärer Hintergrund zunächst keine Rolle spielt. Trotzdem merkt man, wenn Kinder weniger Aufmerksamkeit und Pflege bekommen. Es gibt einige Kinder, die sehr stinken, ungepflegt wirken, und auch ihre Schulaufgaben schlechter erledigen können. Außerdem ist es erschreckend, wie schlecht die Zähne der Kinder sind. In so vielen Kindermündern ist alles verfault und schwarz!

28Sept
2015

Gesundheit und Sicherheit

Gesundheit ist für uns Freiwillige natürlich ein wichtiges Thema. Wir müssen auf viele Dinge achten, damit wir nicht krank werden und uns nichts passiert. Am wichtigsten ist, dass wir darauf achten, was wir essen. So gut wie jeder Freiwillige hat schon Probleme mit dem Essen gehabt, da Fleisch hier ungekühlt verkauft wird, das Leitungswasser mit E-Coli-Bakterien verseucht ist und auf Gemüse, Salat und Früchten fiese Keime lauern. Deshalb sollte man frische Sachen eigentlich nur geschält oder gekocht genießen, was bei Salat aber ziemlich schwierig ist. Außerdem essen viele Bolivianer auf ihren Gerichten Aji, eine höllisch scharfe Chilli-Tomaten-Salsa, die bisher noch jedem Deutschen früher oder später Probleme gemacht hat. Zwei Freiwillige haben sich von leckerem Hühnchen auf der Straße schon fiese Salmonellen eingefangen. Mir geht es aber, obwohl ich ziemlich viel auf der Straße kaufe, bisher einigermaßen gut. Am besten ist es, wenn wir nur in unseren Gastfamilien essen, aber dazu sieht das Essen, was man überall auf der Straße kaufen kann, einfach zu lecker aus! Vor allem die Hamburguesas sind wirklich lecker.

Ein typischer Hamburguesa-Stand, wie man ihn an jeder Straßenecke findet

Außerdem müssen wir auf die Höhe aufpassen. Treppensteigen ist in den ersten Wochen richtig anstrengend, da in der Luft weniger Sauerstoff ist. Durch die Trockenheit trocknen Nasenschleimhäute und Lippen extrem schnell aus. Außerdem kriegt man viel schneller einen Sonnenbrand. Trotzdem habe ich es mit Sucre noch ganz gut getroffen, da hier die Höhe noch deutlich angenehmer ist als zum Beispiel in La Paz oder El Alto (4000m Höhe!).

Problematisch sind vor allem auch die vielen Straßenhunde. Die meisten sind harmlos und eigentlich ganz süß, aber es gibt besonders nachts einige aggressive Exemplare, die Tollwut übertragen können. Die meisten Viecher trollen sich aber, wenn man so tut, als würde man einen Stein aufheben und nach ihnen werfen. Trotzdem, glaube ich, ist es nur eine Frage der Zeit, bis ich mal gebissen werde.

Auch wenn es die meisten giftigen Tiere im feuchten Tiefland gibt, findet man auch in Sucre Skorpione, so wie gestern neben unserer Toilette. Meine Gastfamilie meint, ein Stich von dem kleinen Ding könnte schon tödlich sein.

Skorpion neben der Toilette

Zu Thema Sicherheit gehört in Bolivien leider auch viel Kriminalität. Auch wenn uns bisher nichts passiert ist, werden wir ständig vor bestimmten Vierteln, Straßen und Tages- beziehungsweise Nachtzeiten gewarnt. Für die Mädchen ist es allerdings deutlich gefährlicher als für mich. Ihnen wird hinterhergepfiffen, und sie sollten nachts nicht alleine mit einem Mann Taxi fahren. Deshalb haben viele sich ein Pfefferspray besorgt, was im Notfall (auch gegen Hunde) helfen kann. Von der Polizei halten die meisten Bolivianer ziemlich wenig, sie werden oft als Ladrones (Diebe) bezeichnet, und würden im Notfall nicht kommen. In der Tat habe ich in meinem Barrio bisher noch keine einzige Uniform gesehen, während es im reichen Zentrum von Polizisten nur so wimmelt.

Dennoch können wir uns hier, wenn wir aufmerksam sind und uns an manche Regeln halten, ohne Probleme frei bewegen, ohne um unser Leben fürchten zu müssen.

Viel wahrscheinlicher, als dass uns jemand bedroht, ist, dass Taschendiebe uns unbemerkt unsere Wertsachen stehlen. Als weiße „Gringos“ sehen wir prinzipiell auffällig und reich aus, was wir im Grunde im bolivianischen Vergleich ja auch sind. Deshalb müssen wir gerade auf dem Mercado, im Micro und in der Innenstadt höllisch aufpassen. Einer Freiwilligen wurde am ersten Tag gleich das Handy durch das offene Busfenster aus der Hand geklaut.

17Sept
2015

Meine ersten Tage in Sucre

Als ich meinen letzten Blogeintrag geschrieben habe, war ich noch in Santa Cruz. Seitdem ist viel passiert, ich versuche mich einigermaßen kurz zu halten, auch wenn mir das wahrscheinlich nicht gelingen wird, da ich in den letzten Tagen unglaublich viele neue Erfahrungen gemacht habe, die ich gerne teile.

Am Freitag sind wir im Reisebus knapp 16 Stunden von Santa Cruz nach Sucre gefahren. Obwohl man in bolivianischen Fernbussen deutlich mehr Platz hat als in deutschen, war die Fahrt insgesamt eine Tortur. An Bord gab es zwar eine Toilette, die jedoch abgeschlossen war und stank. Außerdem konnte man die Fenster nicht öffnen und es gab keine Lüftung… Die Fahrt ging zu Anfang über asphaltierte Straßen, doch der Großteil der Strecke nach Sucre ging über Staubpisten, oft nah am Abgrund. Trotz einer erschreckend hohen Unfallrate in Bolivien, hatten wir es jedoch Samstag dann tatsächlich bis Sucre geschafft. Wir wurden empfangen von strahlendem Sonnenschein und unseren Projektleiterinnen, die uns zu unseren Gastfamilien brachten.

Schon beim Ankommen hatten wir bemerkt, dass die Stadt in einer Art Ausnahmezustand war: Es war das Wochenende der „Entrada de la Virgen de la Guadalupe“. Dabei strömen alle Sucrenses an einem Wochenende ins Stadtzentrum und schauen sich eine riesige Prozession von bunt verkleideten Tanzgruppen an. Da meine gesamte Gastfamilie auf der Entrada war, wurde ich zu Hause nur von Cristian, meinem Gastbruder, begrüßt. Anschließend fuhren auch wir mit den anderen Freiwilligen ins Stadtzentrum. Es war ein großartiger erster Tag, da ich gleich zu Beginn Sucre in seiner buntesten und faszinierendsten Form kennenlernen konnte. Leider stand der Abend unter keinem guten Stern…

Es begann, als ich Cristian irgendwie in der Stadt verlor. Als ich dann schließlich nach Hause kam, sperrte ich mich erstmal aus meinem Zimmer aus. Als ich dann eine halbe Stunde später meiner Gastfamilie aus Versehen die Klospülung zerstört hatte, war mein Tag komplett gelaufen, aber es konnte ja nur noch besser werden!

Die nächsten Tage verbrachte ich mehr Zeit mit meiner Gastfamilie und lernte Sucre und speziell den Stadtteil, in dem ich wohne, das Barrio Canadá, kennen. Außerdem mussten wir uns um unsere Visa kümmern, was für uns extrem viel Bürokratie und Aufwand bedeutet.

Gestern war ich dann das erste Mal im Wiñay, meinem Projekt, und es gefällt mir gut. Es ist unglaublich viel Leben und Energie in dem Haus, in dem ich das nächste Jahr arbeiten werde. Wenn ich es besser kennengelernt habe, dann werde ich nochmal etwas genauer schreiben, wie das Wiñay ist.

17Sept
2015

Erste Eindrücke: Gastfamilie

Ich lebe jetzt seit fast einer Woche mit meiner Gastfamilie zusammen und sie sind alle super nett. Mein Zimmer ist zwar klein und an manche hygienische Umstände muss ich mich erst noch gewöhnen, aber ich werde hier ein Jahr locker verbringen können. Meine Gastmutter/Gastoma Claudia ist extrem hilfsbereit und auch die anderen Familienmitglieder sind offen und freundlich. Außerdem habe ich einen Gastbruder, Cristian, mit dem ich mich super verstehe und der mich auch mal in die Stadt begleitet und mir hilft, wenn ich nicht alles verstehe. Außerdem gibt es in meiner Gastfamilie noch drei weitere, kleine Kinder (Nicolas, 1 Jahr; Nathaly, 3; Adrián, 5), die alle (bis auf Adrián, der ziemlich nervig ist) echt lieb sind. Mit meinem Spanisch komme ich eigentlich gut klar, und ich habe schon in dieser einen Woche gemerkt, wie schnell es sich verbessert.
Generell ist sehr viel Leben in meiner Gastfamilie. Nicht nur die ungefähr 10 Personen, die unter einem Dach leben, sondern auch die drei Hunde (Extinct, Mamushka und der kleine Welpe Doki), zwei Katzen (Evo I und Evo II) und der sehr laute Papagei Lorenzo, lassen es hier nie langweilig werden.

Mein Freund, der Papagei Lorenzo

Ruhe zum Entspannen finde ich dadurch nur auf der Dachterrasse, die der größte Pluspunkt meiner Gastfamilie ist, denn ich habe eine grandiose Aussicht über die ganze Stadt, am Tag und in der Nacht.

Die Aussicht am Abend

Das Viertel, in dem ich lebe, nennt sich Barrio Canadá, weil hier immer wieder viele kanadische Freiwillige arbeiten. Es ist zwar ein eher armes Viertel, aber die Leute sind sehr offen und freundlich, auch weil sie es gewohnt sind, Freiwillige im Barrio zu haben, denn dieses Jahr wohnen beispielsweise sechs BKHW-Freiwillige 10 Minuten zu Fuß von mir entfernt.

17Sept
2015

Erste Eindrücke: Sucre

Sucre ist, egal welchen Reiseführer man fragt, die schönste Stadt Boliviens, und das kann ich bisher nur bestätigen. Zwar sind die umliegenden Viertel arm und nicht besonders schön, dafür hat die Innenstadt einiges zu bieten und kann auch einige Touristen anziehen. Fast alle Gebäude im Zentrum sind weiß und im alten Kolonialstil original erhalten. Außerdem kam vor wenigen Wochen Papst Franziskus zu Besuch, weshalb alle Häuser in der Innenstadt einen neuen Anstrich verpasst bekamen.

 

Der oberste Gerichtshof

Meinen Lieblingsort habe ich auch schon gefunden: Das Atrium des Mercado Central. Der Mercado Central ist eine Markthalle mitten im Zentrum, in der jeden Tag von morgens bis abends alle möglichen Sachen verkauft werden, von Nahrungsmitteln über Kleidung bis hin zu Hygieneartikeln. In der Mitte des Mercado gibt es einen kleinen Platz, um den herum Marktfrauen frische Fruchtsäfte und –salate verkaufen, und die Früchte sehen nicht nur fantastisch aus, sondern schmecken auch so.

 

Früchte im Mercado Central


Die meisten Sucrenses gehen jedoch zum Einkaufen nicht auf den Mercado Central, sondern auf den Mercado Campesino, den „Bauernmarkt“. Der Mercado Campesino ist jedoch kein normaler Markt. Es ist ein komplettes Stadtviertel, in dessen Straßen alles verkauft wird, was man sich vorstellen kann, und in denen man sich grausam verirren kann. Dort findet man wirklich ALLES, heute habe ich mir dort beispielsweise in einer Straße, in der überall Möbel verkauft werden, einen kleinen Tisch für mein Zimmer gekauft.

Bis in die Innenstadt brauche ich mit dem Micro etwa eine halbe Stunde von meinem Barrio aus, deshalb verbringe ich auch viel Zeit hier, im Barrio Canadá. Hier sieht die Stadt komplett anders aus. Die Häuser sind unverputzt, überall liegt Müll, es gibt ungefähr genauso viele Straßenhunde wie Einwohner und zwischen den Vierteln wühlen sich Schweine durch den Abfall. Trotzdem habe ich mich erstaunlich schnell an das Leben hier im Viertel gewöhnt. Die Leute sind nett und die Hunde sind im Grunde harmlos. Wenn man doch mal einem aggressiven Vieh begegnet, reicht es einen Stein aufzuheben, und die Hunde ziehen ab. Nachts allerdings rauben einem die Hunde den Schlaf, da die ganze Nacht gebellt wird.

 

Meine Aussicht von der Dachterrasse

17Sept
2015

Erste Eindrücke: Essen

Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich das Essen hier gut oder schlecht finde. Es gibt unglaublich tolle und frische Zutaten und die Auswahl an Obst und Gemüse ist riesig. Außerdem gibt es auf der Straße überall kleine Stände, an denen man total leckere Hamburguesas oder Säfte oder Empanadas bekommen kann. Meine Gastmama Claudia ist eine sehr gute Köchin, und es gibt jeden Tag etwas Neues. Andererseits beinhaltet so gut wie jedes Essen Fleisch, und die Auswahl beschränkt sich im Wesentlichen auf Hühnchen und getrocknetes Rindfleisch. Das Brot ist ziemlich süß und wird ziemlich schnell trocken. In meiner Gastfamilie wird nicht oft zusammen gegessen, und jedes Essen besteht aus einer Vorsuppe und einem Segundo, einem Hauptgericht. Da die bolivianische Küche hauptsächlich aus Fleisch, Reis und Kartoffeln besteht, ist schon die Vorsuppe so reichhaltig, dass ich das Segundo selten zu Ende schaffe. Insgesamt gibt es immer mal wieder Gerichte, die ich nicht kenne und die sehr, sehr lecker sind, doch meistens ähneln sich die Gerichte und ich werde mir auf Dauer wahrscheinlich ein bisschen mehr Vielfalt wünschen.

Kartoffelstände auf dem Mercado Central

17Sept
2015

Erste Eindrücke: Transportmittel

Ich möchte euch noch ein bisschen darüber erzählen, wie man hier von A nach B kommt.

Wenn ich in die Stadt fahre, nehme ich das/den (?) Micro. Es ist, nach dem Laufen, die billigste Art, sich fortzubewegen. Micros sind Kleinbusse mit ungefähr 15 Sitzplätzen, in die etwa 30 Leute passen. Sie haben bestimmte Nummern und fahren einigermaßen feste Routen ab. Wenn man einsteigen möchte, winkt man kurz dem Fahrer und zahlt ihm, wenn man durch die immer offene Seitentür eingestiegen ist, einen Boliviano, also etwa 15ct. Wenn man aussteigen möchte, ruft man dem Fahrer zum Beispiel „Parada!“ zu, und der Bus hält an. Wenn das Micro sehr voll ist, hängt man auch mal aus der offenen Tür heraus. Schwierig ist nur, das richtige Micro zu finden. Beispielsweise fährt praktisch vor meiner Haustür die gelbe Nummer 12 und die Nummer S. Die rote 12 fährt aber zum Beispiel nicht zu mir nach Hause. Außerdem hat jede Micronummer zwei Richtungen, das heißt uns ist es schon passiert, dass wir in die komplett falsche Richtung gefahren sind. Trotz allem bin ich absolut davon begeistert, wie gut dieses System funktioniert. Es ist unglaublich günstig und die Micros sind immer voll, trotzdem findet man immer noch Platz. Außerdem fahren sie etwa im Fünf-Minuten-Rhythmus. Wenn ich daran denke, wie oft in Deutschland auf dem Land leere Busse durch die Dörfer gondeln und wie viel man für Straßenbahnfahrkarten zahlen muss, funktioniert dieses System hier wirklich eindeutig besser.

Wer nicht das richtige Micro findet oder später abends aus der Stadt nach Hause will, der nimmt sich ein Taxi. Taxis findet man überall und man ruft nicht an, sondern winkt eines auf der Straße herbei. Die meisten sind Privatautos, auf die der Fahrer ein Taxischild geklebt hat. Für höchstens 10 Bolis pro Person, der Preis wird vorher verabredet, kommt man schnell und sicher an. Am ersten Tag haben wir uns von der Entrada ins Barrio Canadá ein Taxi zu acht genommen, was Platz für vier hatte. Mit zwei Leuten im Kofferraum, vier auf der Rücksitzbank und zwei auf dem Beifahrersitz sind wir dann durch die Stadt gezuckelt, Gurte sucht man natürlich vergebens.

Wer es sich leisten kann, kann auch selbst fahren. Der Verkehr ist weitestgehend ungeregelt und ohne Hupe kommt man nicht vorwärts. Trotzdem funktioniert es einigermaßen, auch wenn oft nur Millimeter zwischen den einzelnen Autos, Motorrädern, Fußgängern und Straßenhunden sind. Motorräder sind meistens zu dritt besetzt:

Kleinfamilie auf Moped, am Hang der Recoleta

Leider ist die Innenstadt chronisch verstopft und es liegt dort immer ein unangenehmer Smog in der Luft.

Fernreisen kann man in Bolivien entweder mit Reisebussen (Flotas) oder per Flugzeug machen. Bei den Flotas kommt es komplett darauf an, wie viel Geld du ausgeben willst. Billig reisen heißt dann auch keine Toilette, enge Sitze, alles dreckig, im Zweifelsfall Stehplätze und miese, unterbezahlte Fahrer. Wenn man aber mehr Geld ausgibt, kann man in den Bussen auch deutlich komfortabler reisen, als es in Deutschland möglich wäre. Leider passieren immer wieder schwere Unfälle, weswegen das Fliegen deutlich sicherer ist. Außerdem bekommt man ein Flugticket von Sucre nach La Paz schon für umgerechnet etwa 60€, eine Strecke, die der Bus in etwa 20 Stunden bewältigen würde.

11Sept
2015

Endlich angekommen!

Hola aus Bolivien!

Ich bin jetzt seit zwei Tagen in Santa Cruz und kann es noch gar nicht richtig fassen! Mir geht es super, der Flug war in Ordnung, wir sind (fast alle) um 5:30 in Santa Cruz angekommen. Leider mussten wir Lorena, eine Mitfreiwillige, in Madrid lassen. Sie hatte nämlich irgendwo auf dem Weg von Frankfurt nach Madrid ihren Reisepass verloren, sie ist aber heute dann nachgekommen.
Wir restlichen Neuankömmlinge wurden dann, nachdem wir uns durch Migración und Zoll gekämpft hatten, mit zwei Bussen zu unserer Unterkunft für die nächsten Tage gebracht. Die Busfahrt war für mich erst mal der erste Kulturschock. Natürlich gibt es keine Gurte, Gepäck wird auf dem Dach transportiert, und der Verkehr ist ziemlich gemeingefährlich. Außerdem stehen an allen Schnellstraßen am Straßenrand Leute, die von Bussen mitgenommen werden wollen. Es war jedenfalls ein großartiges Gefühl, endlich angekommen zu sein.


Unsere Unterkunft bis Freitag ist etwas außerhalb von Santa Cruz, und wir werden auch nicht in die Stadt hineinfahren, sondern uns erstmal hier an alles gewöhnen. Das Wetter ist extrem feucht-warm, und als wir aus dem Flugzeug ausstiegen gab es erstmal einen fetten Wolkenbruch. Begrüßt wurden wir von einem Frühstücksbuffet mit frischen Früchten, superfrischer Ananas und Avocado. Die nächsten beiden Tage haben wir dann viel Seminar gemacht, und uns so langsam an unsere neue Umgebung gewöhnt. Dazu gehörten auch diverse Insekten, Frösche und andere Tiere in unseren Schlafsälen und Bädern. Diese Gottesanbeterin hatte es sich auf mir gemütlich gemacht.

Eine Gottesanbeterin auf meinem Arm
Heute, Freitag, geht es für mich weiter nach Sucre. Uns wurde gesagt, dass die Busfahrt mindestens 16 Stunden dauert. Ich bin mal gespannt, wie lange es tatsächlich dauert.

Bis dahin, Adios!

PS.: Danke an Timon, von dem ich einige Bilder hier hochlade.

 

06Sept
2015

Noch zwei Tage!

Hallo!

Bei mir wird es jetzt ziemlich ernst. Gestern habe ich eine kleine Abschiedsfeier gefeiert und es war schön, viele noch ein letztes Mal sehen zu können für ein Jahr! Danke an alle, die mit mir gefeiert haben! Nach dem Aufräumen nach der Party heute müsste ich jetzt so langsam mal anfangen, meine Sachen zu packen!

Generell sind die Tage jetzt extrem stressig, und ständig muss ich mich von Leuten verabschieden, die mir wichtig sind. Trotz allem überwiegt aber die Vorfreude!

 

31August
2015

Noch eine Woche!!

Hola!

Noch eine Woche bis zum Abflug! Am Sonntag bin ich vom zehntägigen Vorbereitungsseminar in Heiligenstadt in Thüringen wiedergekommen. In den zehn Tagen habe ich die Hälfte meiner Mitfreiwilligen in Bolivien kennen gelernt, nämlich all die, die mit mir im September ausreisen. Es war eine tolle Zeit, wir haben viel geredet und uns ausgetauscht über unsere Erwartungen, aber auch unsere Ängste, denn die haben wir alle! Es gibt einfach noch so viele Dinge, um die wir uns kümmern müssen! Ansonsten ist bei mir die Vorfreude extrem groß, auch wenn ich natürlich auch Sorgen habe.
Die nächsten Tage werden ziemlich stressig. Ich muss noch einiges einkaufen, unterschreiben, einpacken, und mich von all den Leuten, die mir wichtig sind, verabschieden. Und dann geht es am 8. September um 18:35 los von Frankfurt nach Madrid und dann anschließend über Nacht von Madrid nach Santa Cruz.

 

PS.: Wie ihr wahrscheinlich wisst, sind wir Freiwilligen vom BKHW (Bolivianisches Kinderhilfswerk) angehalten, einen Spendenkreis von 2100€ aufzubauen. Viele von euch haben etwas gespendet, und ich war wirklich überwältigt von eurer Großzügigkeit. Leider habe ich meinen aktuellen Spendenstand und die Übersicht der Spender noch nicht bekommen, deswegen konnte ich mich bei vielen von euch noch nicht persönlich bedanken. Trotzdem aber auch hier ein Riesendankeschön an alle Leute, die mich und das BKHW mit einer Spende unterstützt haben!